Hohe Energiepreise auf EU-Gipfel-Agenda

Österreich liegt bei Strom- und Gas etwa im EU-Schnitt. Bulgarien dagegen ächzt unter den verhältnismäßig hohen Gaspreisen.

Brüssel - Die Staats- und Regierungschefs der EU sprechen am Mittwoch neben der Steuerflucht erstmals auch über die hohen Energiepreise. Diese machen nicht nur Unternehmen zu schaffen, die sich gegenüber den USA, dem Land des billigen Schiefergases, im Wettbewerbsnachteil sehen, sondern auch Konsumenten. In manchen Ländern müssen ärmere Bevölkerungsschichten mehr als ein Fünftel ihres Einkommens für Energie und Transport aufwenden. Innerhalb der EU gibt es beträchtliche Unterschiede beim Strom- und Gaspreis.

Dort, wo Energie sehr teuer ist, gibt es oft kaum Wettbewerb in dem Bereich. Am Gasmarkt kommt die hohe Abhängigkeit einzelner Staaten von Importen aus Russland hinzu. So zahlen die Bulgaren europaweit am meisten für Gas, in Großbritannien und Deutschland, wo es mehrere Anbieter gibt, ist es signifikant billiger. Österreich liegt im niedrigeren Bereich.

Auch bei Strom sind die Unterschiede riesig - auch, wenn man die unterschiedlichen Preisniveaus der Staaten berücksichtigt. Zu einem Gutteil sind die Differenzen auf die unterschiedlich hohen Steueranteile zurückzuführen. In ein paar Ländern machen die Abgaben mehr als die Hälfte aus, während anderswo kaum etwas auf den Nettopreis draufgeschlagen wird.

In Österreich beträgt die Energiekomponente für einen Wiener Haushalt laut E-Control knapp 41 Prozent, das Netznutzungsentgelt 18,9 Prozent und die Umsatzsteuer 16,67 Prozent. Der Rest entfällt auf kleinere Abgaben. Beim Gaspreis liegt der Energieanteil für einen Haushaltskunden in der Bundeshauptstadt bei 49 Prozent, 21 Prozent entfallen auf das Netznutzungsentgelt, der Rest teilt sich auf Umsatzsteuer, Messentgelt und andere Abgaben auf.

Berücksichtigt man die unterschiedlichen Kaufkraftstandards, zeigt sich, dass Österreich bei Strom und Gas in etwa beim EU-Durchschnitt liegt. Ein privater Stromkunde zahlte im zweiten Halbjahr 2012 18,46 Cent pro Kilowattstunde, exklusive Steuern waren es 12,88 Cent, geht aus Daten des EU-Statistikamts Eurostat hervor. Der EU-Schnitt lag im ersten Halbjahr 2012 bei 13,16 Cent ohne und 18,64 Cent inklusive aller Steuern. Besonders viele Abgaben müssen die Dänen leisten: aus 9,57 Cent werden 21,94 Cent je kWh.

Bei Gas müssen die bulgarischen Haushalte verhältnismäßig tief in die Tasche greifen: Eine Kilowattstunde kostete dort im zweiten Halbjahr 2012 inklusive Steuern 12,49 Cent und damit weit mehr als im Durchschnitt der EU (6,3 Cent im ersten Halbjahr 2012). Österreicher zahlten in der zweiten Jahreshälfte 6,96 Cent, ohne Steuern wären es laut EU-Rechnung 5,17 Cent gewesen. Auch die Griechen sind mit hohen Gaspreisen (11,28 Cent) konfrontiert - wiederum unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Kaufkraftstandards.

Einiges weniger für Energie zahlen Industriebetriebe, die beträchtlich mehr verbrauchen und daher in größeren Mengen zu günstigeren Bedingungen einkaufen können. Umgerechnet auf die Kilowattstunde und kaufkraftbereinigt betrug der Gaspreis für die Industrie im ersten Halbjahr 2012 brutto 4,73 Cent in der EU, netto waren es 3,65 Cent. Österreich lag mit 4,81 Cent inklusive Steuern etwas darüber. Bulgarische Unternehmen mussten mit 10,77 Cent mehr als das Doppelte zahlen, britische hingegen nur 3,51 Cent. Großbritannien gehört zu den wenigen Ländern, in denen es durchaus regen Wettbewerb am Gasmarkt gibt.

Bei Strom kommt die österreichische Industrie günstiger davon: Die Kilowattstunde kostet 12,14 Cent, um EU-Schnitt sind es 14,53 Cent brutto.

Was die EU-Staats- und Regierungschefs konkret gegen die großen Unterschiede bei den Energiepreisen unternehmen sollen, ist unklar. In EU-Kreisen hofft man zumindest auf politische Bekenntnisse, dass die stockende Integration des europäischen Energiemarkts vorangetrieben werden soll: Weniger Abhängigkeit vom Ausland und mehr Wettbewerb sollen die Preise drücken, so die Hoffnung. (APA)


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