Gefährliche Asteroiden im Anflug: Europa baut Warnsystem aus

Der Meteoriteneinschlag in Russland im Februar hat Schlagzeilen und Angst gemacht. Europa baut sein Warnsystem aus, um gefährliche Himmelskörper mit Kollisionskurs auf die Erde ganz früh zu erkennen.

Von Hanns-Jochen Kaffsack

Rom – Die Zeit ist der alles entscheidende Faktor. Ist ein gefährlicher Asteroid tatsächlich auf Kollisionskurs mit dem Planeten Erde, dann gilt es ihn ganz rasch zu berechnen und danach zu handeln. Nahezu 10.000 bekannte Asteroiden oder Kometen sind „erdnahe Objekte“ – ein Bruchteil aller Himmelskörper mit Umlaufbahnen um die Sonne.

Europas Weltraumorganisation ESA baut jetzt ihre Warnsysteme aus, auch um in Quasi-Echtzeit wichtige Daten über die Bewegungen in unserem Sonnensystem liefern zu können: Am ESA-Standort in Frascati südlich von Rom laufen künftig alle Informationen zusammen, aus denen die Experten auf mögliche Gefahren aus dem Weltall schließen können.

Früherkennung entscheidet

„Es ist das Allerwichtigste überhaupt, die Asteroiden so früh wie möglich zu erkennen, um ihre Bahn bestimmen zu können“, erläutert der Projektleiter des Koordinationszentrums für erdnahe Objekte (NEOCC), Detlef Koschny, im Gespräch mit dpa. „Was in Frascati jetzt gebündelt und kombiniert wird, ist ein erster Schritt hin zu einem europäischen System“, ergänzt Koschny.

Er verweist darauf, dass vor allem wichtige astronomische Auswertungen der Universität Pisa so wie auch die Daten anderer Systeme und Sensoren zusammengefasst werden. Der „Warndienst“ soll so verbessert, Zeit im Wettlauf mit Asteroiden gewonnen werden.

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Neun von zehn der wirklich großen und damit ganz gefährlichen Himmelskörper in einer Bahn nahe der Erde sind den Astronomen schon bekannt. Bei einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer würden sie nach ihrem gewaltigen Aufschlag ungeheuren Schaden auf der Erde anrichten. „Das ist unser Stand bei jenen Objekten, die groß genug sind“, sagt Wissenschaftler Koschny.

„Für kleinere Objekte von 100 bis 200 Metern Durchmesser stehen wir leider noch nicht so gut da.“ Nur wenige Prozent seien bekannt, so dass man ihre Bahn berechnen kann. Aber schon der Einschlag eines „kleinen“ Meteoriten im Meer kann beispielsweise einen verheerenden Tsunami auslösen.

„Dann rennt man weg“

Die „Registrierung“ der herumschwirrenden Himmelsbrocken soll also nun voranschreiten. Was aber tun, wenn - immer rechtzeitiger erkannt - Gefahr aus dem Weltall droht? „Wenn der Asteroid kleiner ist als 100 Meter, dann rennt man weg, dann ist Evakuierung angesagt“, erläutert der Fachmann. Bei den größeren „Brummern“ sei es eben wichtig, sie ein paar Jahre eher geortet zu haben, um dann das geeignete Abwehrmodell auszuwählen.

Um einen auf die Erde zusteuernden Asteroiden von seinem Kollisionskurs abzubringen, könnte man etwa mit einer Raumsonde einen „Auffahrunfall“ im Weltall bauen und ihn so ablenken. Möglich ist es auch, das einzusetzen, was man den „Gravitationstraktor“ nennt: Die Sonde begleitet jahrelang einen Himmelskörper, wobei sie ihn nach und nach mit ihrer Anziehungskraft von seiner bedrohlichen Bahn abbringt.

Atombombe als letzte Verteidigungslinie

„Ich bin zuversichtlich, dass wir die großen Asteroiden Jahre vorher und damit rechtzeitig erkennen“, sagt der Projektleiter des neuen Koordinierungszentrums in den Bergen von Frascati. Eine letzte Möglichkeit bliebe immer noch, nämlich, den Himmelsbrocken mit einer nuklearen Explosion aus seiner Bahn zu werfen. Eine Atombombe im All ist nicht unumstritten - womöglich aber eines Tages die einzige Chance, den Planeten Erde vor weitgehender Zerstörung zu bewahren. (dpa)


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