„Brauchen sie nicht“: Stronach legt sich mit Gewerkschaften an

Frank Stronach und sein Klubobmann Robert Lugar machen die Gewerkschaften für politischen Stillstand verantwortlich. Der FSG-Vorsitzender Katzian sieht darin autoritäre Ansagen, die die Gewerkschaften in ihrem Einsatz bestärken. Auch SP-Geschäftsführer Darabos sieht sich bestätigt: Mit Stronach ist kein Staat zu machen.

Wien – Wenige Tage vor seiner Rückkehr aus Kanada legt sich Frank Stronach mit den Gewerkschaften an. In der Kronen-Zeitung (Freitag-Ausgabe) hält der austro-kanadische Milliardär die Arbeitnehmervertretung für nicht mehr notwendig. „Keine Regierung, keine Gewerkschaft kann Arbeitsplätze garantieren. Die beste Garantie für Arbeitsplätze ist, wenn Management und Mitarbeiter gut zusammenarbeiten“, zitiert die Kronen-Zeitung Stronach. Sein Klubobmann Robert Lugar erläutert diese Aussagen: „Frank sieht das so: Die Gewerkschaften brauchen wir nicht“. Stronach habe ja als Unternehmer immer selbst gut für seine Mitarbeiter gesorgt, so Lugar. Der Klubobmann will die Gewerkschaften zwar „nicht verbieten, aber zurückstutzen“. Er hält sie für „destruktiv, sie blockieren alles, sie sorgen für politischen Stillstand – wie man das jetzt auch wieder sehr gut bei der Lehrergewerkschaft sieht.“

Katzian kritisiert „autoritäre Ansagen“

Der Vorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) im ÖGB, Wolfgang Katzian, sieht angesichts dieser Aussagen „mangelnde Demokratie und autoritäres Verhalten innerhalb des Teams Stronach“. Die Gewerkschaft werde sich „aber allen Versuchen mit Entschiedenheit entgegen stellen, dieses Politikverständnis auf unsere gesellschaftlichen Strukturen auszudehnen“, betonte der FSG-Vorsitzende in einer Aussendung. „Angesichts der sich verschärfenden sozialen Krise in der Europäischen Union sehen es manche Unternehmer und ihre politischen Handlanger offenbar verlockend, die Kraft der Gewerkschaftsbewegung nahhaltig zu schwächen und ihr Programm autoritär durchzusetzen“, kritisierte Katzian. Er zeigte sich aber überzeugt, dass die Österreicher sehr genau wissen, dass der Weg des sozialen Ausgleiches besser ist als der Weg der Zuspitzung und der Verschärfung der sozialen Kluft.

Der Leitende ÖGB-Sekretär Bernhard Achitz bezeichnete es als „total daneben, eine gestaltende Institution wie der ÖGB seit mehr als sechs Jahrzehnten eine ist, auflösen zu wollen. Demokratie läuft in Europa anders.“ Dass Stronach Probleme mit Mitbestimmung und firmeninterner Demokratie habe, ändere nichts daran, dass er und andere Firmen, die es ihm in punkto Verhinderung von Betriebsratswahlen gleich tun wollen „auf Granit beißen“ werden, kündigte Achitz an.

Darabos erartet Distanzierung von ÖVP und Grünen

Für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos verdeutlichen die Angriffe Stronachs auf die Gewerkschaften dessen „arbeitnehmerfeindliche Gesinnung“. Er erwartet sich auch eine klare Distanzierung von ÖVP und Grünen, von den Attacken Stronachs auf die Gewerkschaften. In Salzburg verhandeln ja derzeit diese beiden Parteien mit dem Team Stronach über eine künftige Koalition. (APA)


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