Runtastic-Chef: „Sehe noch großes Wachstumspotential“

Florian Gschwandtner, Mitgründer und Chef von Runtastic, sprach im TT-Interview über Erfolgserwartungen, „quantified self“ und die Schwierigkeiten eines österreichischen Startup-Unternehmens.

Innsbruck - Der Linzer App-Anbieter Runtastic vermeldete vergangene Woche in einer Presseaussendung den 30-millionsten App-Download. Mittlerweile habe der Anbieter von Handy-Software für den Fitnessbereich zehn Millionen Registrierungen, aktuell werde durchschnittlich jede Sekunde eine Runtastic-App heruntergeladen.

Mit den 70 Mitarbeitern werde schon seit 2011 ein positiver Cash Flow erwirtschaftet, Bilanzzahlen nannte Runtastic allerdings nicht. Die Firma wurde 2009 aus der Taufe gehoben, Florian Gschwandtner, Co-Gründer und CEO von Runtastic, will nun auch in den USA durchstarten. Als Vertriebspartner wurde Amazon.com gewonnen.

Gegenüber der Tiroler Tageszeitung Online zeigte sich Gschwandtner zuversichtlich für das zukünftige Wachstum und erklärte, welchen Vor- und Nachteilen sich Gründer eines Startup-Unternehmens in Österreich gegenübersehen.

Mit welchen Erfolgserwartungen wurde runtastic 2009 gegründet?

Auf jeden Fall mit der Erwartung, ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen. Wie die Definition von Erfolg 2009 aussah, ist aktuell schwierig zu beschreiben. Wir wollten auf jeden Fall alles dafür geben, dass wir ein Unternehmen aufbauen, welches sich selbst finanziert und das haben wir bis dato sehr gut geschafft.

Worin sehen Sie die Gründe für den Erfolg? War man einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen „Ort“?

Sicherlich waren wir auch zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, aber vielmehr waren wohl die 4 Gründer hinter dem Unternehmen ausschlaggebend. Wir haben wirklich hart gearbeitet (machen wir auch jetzt noch) und haben z.B. am Anfang Software für andere Firmen entwickelt und 100 Prozent des Geldes wieder in das Startup reinvestiert. Da ich z.B. nicht der große Entwickler bin, habe ich am Wochenende an FH und WIFI unterrichtet und auch dieses Geld wurde zu 100 Prozent in die Firma investiert. All diese Arbeit hat uns zusammengeschweißt und wir haben sehr schnell gelernt, vorsichtig mit Geld umzugehen.

Gibt es in Österreich besondere Schwierigkeiten oder vielleicht sogar Vorteile für Start-Ups?

Sowohl als auch. Die Vorteile bestehen darin, dass die Qualität der Leute hier echt sehr hoch ist. Fachhochschulen wie Hagenberg oder Steyr liefern Top-Leute, welche international ganz vorne mitspielen. Nicht alle aber wollen ins Ausland oder zu großen Unternehmen und hier hat man dann als Start-Up schon mal den Vorteil, ein gutes Team aufbauen zu können.

Leider gibt es aber auch viele Hürden. 2009 war es für uns fast nicht möglich, eine relevante Finanzierung aufzustellen und nur wenige haben an uns geglaubt. Heute ist das schon besser und vor allem die Medien verstehen besser, was ein Start-Up ist und warum das Sinn machen kann. Auch in der Bildung ist dieser Bereich noch viel zu wenig integriert. Ich hatte nach meinem Studium nur sehr wenig Plan, was es heißt, ein Unternehmen zu gründen und wie man vorgeht – vielleicht war aber auch diese Unwissenheit damals ganz gut.

Warum ist Ihrer Meinung das „quantified self“ (ganzheitliches, zahlenlastiges Analysieren der eigenen Leistungen und des Alltags) im Trend? Finden Sie die Reduzierung der körperlichen Gesundheit auf Zahlen bedenklich?

Ich würde mal sagen es entwickelt sich gerade ein Trend, ob dieser Mainstream wird oder nicht, ist aktuell noch nicht zu sagen. Persönlich finde ich nicht, dass es sich dabei um eine Reduzierung auf Zahlen handelt, vielmehr um eine Bereicherung mit Zahlen. Die Technologie ermöglicht es, dass uns Bewegung klarer dargestellt wird bzw. dass Bewusstsein aufgebaut werden kann. Ein Smartphone besitzt nahezu jeder schon und die Erweiterung um die Möglichkeit, sein Bewegungs-/Lebensverhalten zu tracken, kann eine positive Sache sein – und es wird ja keiner dazu gezwungen.

Welches Wachstumspotential sehen Sie noch im Mobile-Fitness-Markt?

Da sowohl der Smartphone-Markt, als auch das Bewusstsein für Gesundheit und Fitness wachsen, sehe ich hier sehr großes Potential.

Die Fragen stellte Lukas Schwitzer


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