Soldat in Paris mit Messer verletzt - Neue Festnahmen in London

Auch in Frankreich wird ein Soldat auf offener Straße hinterrücks attackiert. Gibt es einen Zusammenhang zu dem Fleischerbeil-Mord von London? Noch fahndet die Polizei nach dem Täter.

Paris/London - Drei Tage nach der Fleischerbeil-Attacke mutmaßlicher Islamisten auf einen britischen Soldaten in London ist auch in Paris ein Soldat auf offener Straße attackiert worden. Ein Unbekannter habe den 23-Jährigen am Samstag im Geschäftsviertel La Défense von hinten mit einer Klinge am Hals schwer verletzt und sei dann geflohen, sagte der zuständige Präfekt in Nanterre, Pierre-André Peyvel. Der Soldat habe viel Blut verloren, sei aber nicht in Lebensgefahr. In Großbritannien nahm die Polizei am Wochenende weitere Verdächtige fest. Die britische Regierung will nun schärfer gegen islamische Extremisten vorgehen.

In Paris übernahm die Staatsanwaltschaft für Terrorismus-Bekämpfung die Ermittlungen, wie der örtliche Staatsanwalt Robert Gelli der Nachrichtenagentur AFP sagte. Um den Flüchtigen zu identifizieren, würden Überwachungsvideos und Zeugenaussagen ausgewertet, berichtete AFP am Sonntag unter Berufung auf Ermittlerkreise. Man ziehe alle Möglichkeiten in Betracht: einen Terrorakt oder die Tat eines geistig Verwirrten.

Der Soldat hatte in Uniform und bewaffnet in La Défense patrouilliert. Im Rahmen der Terrorabwehr werden in Frankreich an vielbesuchten Plätzen auch Soldaten eingesetzt. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian besuchte den Verletzten noch am Samstagabend im Krankenhaus. Der Mann sei angegriffen worden, weil er Soldat sei, sagte er anschließend vor Journalisten. Frankreich werde seinen „unerbittlichen“ Kampf gegen den Terror fortsetzen.

Auch Innenminister Manuel Valls verurteilte den „feigen Angriff“. Staatspräsident François Hollande sah in einer ersten Stellungnahme keine Verbindung zu dem brutalen Fleischerbeil-Mord an einem britischen Soldaten in London. Ein Zusammenhang sei „beim derzeitigen Stand“ nicht zu erkennen, sagte er laut „Le Figaro“ beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union in Addis Abeba.

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Das Londoner Opfer, ein 25-jähriger Familienvater, war am Mittwoch unter anderem mit einem Fleischerbeil auf offener Straße zu Tode gehackt worden. Als Hauptverdächtige gelten zwei 22 und 28 Jahre alte Männer, die blutüberströmt und mit Waffen in der Hand am Tatort angetroffen wurden. Sie wurden von der Polizei angeschossen und liegen im Krankenhaus. Einer von ihnen wurde gefilmt, als er islamistische Parolen ausrief. Nach Angaben des Innenministeriums arbeiten rund 500 Ermittler an der Aufklärung der Attacke.

Bei den Männern soll es sich um britische Staatsbürger mit Verbindungen nach Nigeria handeln. Der ältere wurde neuen Berichten zufolge 2010 schon einmal in Kenia festgenommen - unter dem Verdacht, sich der islamistischen Al-Shabaab-Miliz anschließen zu wollen. Polizei und Geheimdienste stehen in der Kritik, weil der 28-Jährige den Behörden in Großbritannien schon vor dem Angriff bekannt war.

Die britische Regierung zog am Wochenende erste Konsequenzen. Sie will radikale Prediger und Internetseiten mit extremistischem Inhalt in Zukunft schärfer überwachen, wie ein Sprecher der Downing Street am Sonntag sagte. In einer neu eingerichteten Task Force gegen Extremismus sollen neben hohen Regierungsvertretern auch Geheimdienste und Polizei zusammenarbeiten. Innenministerin Theresa May sagte, dass in Großbritannien Tausende Menschen lebten, die potenziell radikalisiert werden könnten.

Am Samstagabend wurden drei Männer im Alter von 21, 24 und 28 Jahren festgenommen. Sie werden der Beihilfe zum Mord verdächtigt. Am Freitagabend war bereits ein 31 Jahre alter Freund eines der Hauptverdächtigen nach einem Fernsehinterview festgenommen worden. Er hatte unter anderem behauptet, der britische Inlandsgeheimdienst MI5 habe seinen Freund rekrutieren wollen. Dieser habe aber abgelehnt. (dpa)


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