Kundgebungen gegen Homo-Ehe in Brasilien und Frankreich

Am Sonntag gingen weltweit sowohl Gegner der Homo-Ehe als auch Homosexuelle auf die Straße. In Moskau ist es zu Festnahmen gekommen.

Wien/Paris/Kiew - Während in Wien der Life Ball auch mit der Botschaft gegen Homophobie gefeiert worden ist, sind andernorts auf der Welt Gegner der gleichgeschlechtlichen Liebe und gleichgeschlechtlicher Partnerschaften auf den Plan getreten: In Brasilien wurde gegen die Homo-Ehe demonstriert, in Frankreich sollen am heutigen Sonntag die Massen dagegen auf die Straße gehen. In Moskau kam es am Samstag bei einer Demonstration von Lesben und Schwulen zu Festnahmen.

200.000 Gegner der Homo-Ehe in Paris erwartet

Am heutigen Sonntag wurden in der französischen Hauptstadt bis zu 200.000 Menschen bei einer Kundgebung gegen die Homo-Ehe erwartet. Befürchtet werden Ausschreitungen gewaltbereiter Rechtsextremer, die bereits in den vergangenen Monaten an Demonstrationen der Homo-Ehen-Gegner teilgenommen und dabei randaliert hatten.

„Wir haben keine Angst“, sagte der Demonstrant Thomas aus Caen in Westfrankreich, der mit seinen fünf Kindern an dem Protest teilnahm, mit Blick auf die Warnungen vor Ausschreitungen. „Es ist noch nicht zu Ende, wir fangen gerade erst an“, versicherten andere Protestierende. Einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage zufolge hören die Franzosen diese Ankündigung jedoch nicht gern. Rund 72 Prozent der Befragten sprachen sich demnach für ein Ende der Proteste aus.

An den Kundgebungen beteiligten sich auch Politiker der konservativen Oppositionspartei UMP und der rechtsextremen Partei Front National. Die prominenteste Gegnerin der gleichgeschlechtlichen Ehe, die Komikerin Frigide Barjot, nahm angesichts der Gewaltwarnungen nicht an den Protesten teil. UMP-Chef Jean-François Cope rief die Gegner der Homo-Ehe auf, das „gesellschaftliche in politisches Engagement umzuwandeln“, und seine Partei zu unterstützen.

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Die Polizei setzte am Sonntag etwa 4.500 Sicherheitskräfte ein. Bereits am Samstagabend wurden in Paris 56 Menschen festgenommen. Nach Polizeiangaben versammelten sich Gegner der Homo-Ehe auf dem Boulevard Champs-Élysées und ketteten sich an Metallabsperrungen. Als einige Demonstranten Rauchbomben abfeuerten, griff die Polizei ein und nahm sie fest. Dutzende weitere Gegner der Homo-Ehe protestierten am Straßenrand.

Demonstration gegen Homo-Ehe in Rio de Janeiro

In der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro demonstrierten am Samstag Zehntausende evangelikale Christen gegen die Homo-Ehe und für den Schutz des traditionellen Familienbildes. Nach Polizeiangaben zogen rund 100.000 Menschen durch die Straßen, bevor sie sich im Zentrum von Rio zu einer Kundgebung mit Gospelmusik und Gebeten versammelten.

Zu der Demonstration hatte der Dachverband der evangelikalen Gemeinden in Rio de Janeiro aufgerufen. Er reagierte damit auf eine Entscheidung der brasilianischen Justiz, welche der Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren den Weg ebnete. Der Nationale Justizrat hatte am 14. Mai eine Anweisung erlassen, wonach Behörden schwulen oder lesbischen Paaren den Trauschein nicht länger verweigern dürfen. Damit umging der Justizrat das Parlament, das seit Jahren zu keiner Entscheidung über die Homo-Ehe findet.

Gegen die Entscheidung des Justizrats kann vor dem Obersten Gerichtshof Beschwerde eingelegt werden. In mehreren brasilianischen Teilstaaten hatte die Justiz schon zuvor die Umwandlung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften in Ehen zugelassen.

Festnahme bei Schwulen-Demo in Moskau

Bei einer Kundgebung von Schwulen und Lesben in Moskau wurden am Samstag insgesamt etwa 30 Teilnehmer und Gegner festgenommen. Der Chef des russischen Homosexuellen-Verbandes, Nikolai Alexejew, wurde ebenfalls abgeführt. Er muss mit einer Anklage wegen Organisation einer nicht genehmigten Versammlung rechnen. Das teilte die Polizei in Moskau am Samstag der Agentur Interfax mit. Auch ein Mann, der eine Demonstrantin geschlagen hatte, wurde festgenommen.

Einige Teilnehmer schwenkten im Zentrum Moskaus die Regenbogenfahne oder hielten Plakate mit der Aufschrift „Gegen Homophobie“ in die Höhe. Nach wenigen Minuten habe eine Sondereinheit die Demonstranten in Polizeibusse gedrängt, hieß es. Gegner hätten in der Nähe mit „lautem Beten“ gegen die Kundgebung protestiert.

Homosexualität ist in Russland straffrei. Die Behörden verbieten aber regelmäßig geplante Schwulenparaden. Moskaus höchstes Gericht hatte im vergangenen Jahr ein generelles Verbot von „Gay Pride“- und ähnlichen Paraden bis 2112 bestätigt. Das russische Parlament berät derzeit über ein umstrittenes Verbot von „Homosexuellen-Propaganda“, wie es schon in einigen Städten gilt.

Premiere in Kiew: Erste Demonstration Homosexueller

Erstmals demonstrierten - ebenfalls am Samstag - Schwule und Lesben in der ukrainischen Hauptstadt Kiew für gleiche Rechte. Etwa 50 Teilnehmer zeigten unter starkem Polizeischutz Plakate wie „Homosexualität ist keine Krankheit“, berichten lokale Medien. Mindestens zehn Störer, die auch eine Rauchbombe warfen, wurden festgenommen. Die Demonstration ging nach kurzer Zeit friedlich zu Ende.

Im vergangenen Jahr musste die Demonstration in der Ex-Sowjetrepublik kurzfristig abgesagt werden. Hunderte Ultra-Orthodoxe und Nationalisten hatten mit Gewalt gegen die Veranstaltung protestiert. Die Ukraine hat vor kurzem zwei Gesetzesentwürfe zum umstrittenen Verbot von „Homosexuellen-Propaganda“ in die Wege geleitet. (APA/AFP/dpa)


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