Hisbollah setzt auf „Sieg“ in Syrien - Raketenangriffe in Beirut

Die libanesische Hisbollah ist in Syrien jetzt ganz offiziell Kriegspartei. Sie stützt den bedrängten Machthaber Assad. Das sorgt im Libanon für Zündstoff. Dem Land droht eine Zerreißprobe.

Istanbul/Berlin - Die libanesische Hisbollah kämpft im syrischen Bürgerkrieg jetzt offiziell an der Seite des Assad-Regimes und setzt damit die Stabilität des eigenen Heimatlandes aufs Spiel. Der Generalsekretär der Schiitenbewegung, Hassan Nasrallah, prophezeite während einer Fernsehansprache einen Sieg in Syrien. Er versprach, dass die Milizen solange wie notwendig blieben. Mit einer Niederlage Assads verlöre die Hisbollah einen ihrer wichtigsten Unterstützer. Kann sich der Machthaber dagegen mit ihrer Hilfe behaupten, hätte die Hisbollah ihren Einfluss über die Grenzen des Libanon ausgedehnt.

Nur wenige Stunden nach der Rede schlugen am Sonntag Raketen in zwei von der Hisbollah kontrollierten Vororten Beiruts ein. Fünf Menschen wurden verletzt.

Syrien-Friedenskonferenz im Juni

Angesichts der wachsenden Sorge vor einem Flächenbrand in Nahost ruhen viele Hoffnungen auf einer von den USA und Russland initiierten Syrien-Friedenskonferenz. Syriens Außenminister Walid al-Muallim sagte am Sonntag in Bagdad, die Regierung in Damaskus sei grundsätzlich zu einer Teilnahme bereit. Dagegen kam die syrische Opposition am Wochenende in Istanbul bei ihren Beratungen über eine Teilnahme zu keinem Ergebnis.

Nach Angaben von Oppositionellen in Damaskus könnte das Treffen für den 12. Juni in Genf einberufen werden.

«Gefahr eines Flächenbrandes»

Während sich Kämpfer der Schiitenorganisation Hisbollah mit Soldaten von Syriens Machthaber Baschar al-Assad verbünden, gibt es im Libanon aber auch Muslime sunnitischer Glaubensrichtung, die schwer bewaffnet sind und die syrische Opposition unterstützen. Damit droht dem Libanon immer mehr eine Zerreißprobe. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vor der «Gefahr eines Flächenbrandes». Das kleine arabische Land versank bereits von 1975 bis 1990 in einem Bürgerkrieg.

Bei den Raketenangriffen im Süden der libanesischen Hauptstadt schlugen nach Angaben von Sicherheitskräften zwei Geschosse vom Typ „Grad“ in eine Automobilausstellung und ein Wohngebäude ein. Zunächst bekannte sich niemand zu den Attacken. Libanons Innenminister Marwan Charbel sah in dem Angriff einen Versuch, die Sicherheitslage in seinem Land zu destabilisieren. In dem östlichen Ort Hermel nahe der syrischen Grenze schlugen laut libanesischer Nachrichtenagentur NNA zwei Raketen aus Syrien ein, verletzt wurde niemand.

Der Syrienkonflikt hat seit seinem Beginn im März 2011 UN-Schätzungen zufolge mehr als 80 000 Menschen das Leben gekostet. Im Nordlibanon wurden bei den jüngsten Kämpfen zwischen Unterstützern des syrischen Regimes und dessen Gegnern binnen einer Woche mindestens 26 Menschen getötet. (dpa)


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