Mit einem Schluck Heilwasser geht es sich viel leichter

Kein schönes Wetter? Wenig Zeit? Doch interessiert an Geschichte, Land und Leut’? Dann bietet sich diese gemütliche Rundwanderung oberhalb von Terfens an – wo man u. a. Wasser aus einer begehrten Quelle trinken kann.

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Irene Rapp

Terfens –Was tun, wenn Ende Mai Temperaturen und weit herabreichender Schnee an November erinnern? Was tun, wenn man trotzdem vor die Tür gehen will – um frische Luft zu tanken, sich die Füße zu vertreten, abzuschalten?

Vergangenen Samstag war es gar nicht so einfach, ein an diese Rahmenbedingungen angepasstes Tourenziel zu finden. Doch dann fiel die Wahl auf eine Rundwanderung, die nicht nur an einen schönen, sondern auch historischen Flecken Tirols führte – und Hunger machte auf das anschließende Mittagessen in einem Gasthaus in der näheren Umgebung.

Normalerweise fährt man an der kleinen Wallfahrtskirche Maria Larch oberhalb von Terfens gerne vorbei, diesmal wurde sie als ein Etappenziel für die Tour ausgewählt. Im 17. Jahrhundert soll sich hier Magdalena Bogner immer von einer „Lärche zum Gebet angehalten“ gefühlt haben – das ist in der Kirche nachzulesen. In der Folge wurde ein Marienbildnis an dieser Lärche – daher der Name Maria Larch – angebracht, später wurden die Kapellen gebaut und auch Heilungen soll es gegeben haben.

Heute erinnern drei Gebäude daran: einmal die Wallfahrtskirche, einmal das daneben liegende Brunnenhaus und einmal die ein wenig weiter westlich liegende kleine Erscheinungskapelle – an dieser Stelle soll die Lärche einst gestanden sein. Die Abgeschiedenheit der Gebäude hat aber auch negative Auswirkungen: Einige Male wurde hier schon eingebrochen.

Als wir am Samstag die Wallfahrtskirche verlassen, verlässt ein Mann gerade das Brunnenhaus mit einem Kanister voll Wasser, den er dort abgefüllt hat. Keine Seltenheit, wie Franz Hofmann, der Pfarrer von Terfens, erzählt. „Das Wasser soll eine ähnliche Wirkung haben wie jenes von Maria Waldrast bei Matrei am Brenner. Deswegen kommen sogar Leute aus Bayern, um Wasser abzufüllen“, erzählt er. Sei es, weil besagtes Wasser lange hält und auch nach Wochen immer noch wie frisch schmeckt. Sei es, weil es kleine Wehwehchen bekämpft. Auf jeden Fall nehmen wir einen kräftigen Schluck davon, bevor wir weitermarschieren.

Ausgangspunkt der Tour? Am besten in Terfens bei der Pfarrkirche parken, dann geht es durch die Schmiedgasse, vorbei an der Schmiede in einen Hohlweg hinein („Maria Larch“ ist gut beschildert). Nach einigen Metern gelangen wir wieder zur Straße, die hinauf nach Gnadenwald führt, einige Meter geht es nun auf dieser dahin.

Dann links in einen Feldweg einbiegen und leicht bergauf zur Kirche Maria Larch spazieren. Nach kurzer Einkehr in die sakralen Gebäude geht es in westliche Richtung: zunächst vorbei an erwähnter Erscheinungskapelle, dann zu einer Weggabelung, bei der links abgebogen wird. Nun auf einer Asphaltstraße hinauf auf ein Hochplateau nach Eggen, einem Ortsteil von Terfens mit wenigen Häusern und Bauernhöfen, dafür viel Wiesen und Ackerland. Weit kann hier der Blick schweifen, in alle Himmelsrichtungen.

Immer weiter geht es der asphaltierten Straße. Nach dem Garzaner-Hof, auf dem Holstein-Rinder gezüchtet werden, heißt es aufpassen. Eine Abzweigung rechter Hand führt nämlich wieder zur Weggabelung bei der Erscheinungskapelle zurück. Der Weg führt über liebliche Wiesen- und Waldwege, schließlich kehrt man auf bekanntem Weggelände zurück. Und beim Brunnenhaus gibt es noch einmal einen Schuss vom Larch-Wasser.


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