Kunst

Zeitreise wird noch lebendiger

Digital gehörig aufgerüstet, bietet Aguntum den Besuchern einen spannenden Blick in das facettenreiche Alltagsleben der einzigen Römerstadt Tirols. Die neue Grabungskampagne soll weitere Geheimnisse lüften.

Von Claudia Funder

Dölsach –Aguntum war einst eine wohlhabende Stadt, begrenzt von einer sieben Meter hohen und 400 Meter langen Mauer, bevor sie im Jahr 610 unterging.

Seit über 100 Jahren wird mittlerweile wissenschaftlich begleitet gegraben. Eine Reihe von aufschlussreichen Funden und Mauerresten sind bereits ans Tageslicht befördert. Wertvolle neue Erkenntnisse lassen die Geschichte der historischen Stätte jedes Jahr aufs Neue weiterschreiben. Denn der Großteil liegt noch unter der Erde, erst zehn Prozent von Aguntum sind ausgegraben. So gibt es nach wie vor zahlreiche Rätsel, die es zu lösen gilt – etwa, wie viele Einwohner die Stadt einst zählte und warum sie nur Richtung Osten durch eine Mauer geschützt war.

Am 1. Juli fällt der Startschuss für die nächste Grabungskampagne, das gab Leo Gomig, Gründer und Obmann des Vereins Curatorium pro Agunto, gestern bekannt: „23 Leute der Universität und wissenschaftliches Personal werden sechs bis acht Wochen die archäologischen Arbeiten in Aguntum fortsetzen. Heuer wird im Bereich des Forums weitergegraben, wo ein Tempel vermutet wird.“ Genächtigt werde, so Gomig, auf einfachem Standard auf Matratzen im Grabungshaus.

Nicht weniger als 13 Mio. Euro wurden seit der Vereinsgründung 1994 investiert. „Trotzdem sind wir schuldenfrei“, freut sich Gomig. „Wir haben aber auch kein Budget, das eine Schuldentilgung rechtfertigen würde.“ Unermüdlich auf „Betteltour“, gelang es ihm stets, Mittel für die nicht enden wollenden Vorhaben zu sammeln.

Um das 1.200 m² große Museum und das 30.000 m² große Außengelände für Besucher noch attraktiver in Szene zu setzen und auch vermehrt junges Publikum anzulocken, wurde der digitale Sektor gehörig aufgerüstet. Der erweiterte Film von Lukas Jungmann gewährt Besuchern einen spannenden Spaziergang in die Vergangenheit. Überblendungen veranschaulichen, wie die heutigen Mauerreste einst ausgesehen haben und wie sich das Alltagsleben in der Römerzeit abgespielt haben könnte. Die virtuelle Zeitreise führt etwa über das Forum, den Sitz der Stadtverwaltung, in das Macellum, das Handwerkerviertel und die Therme. Die Stadt wird dadurch greifbar, eindrucksvoll erlebbar. Der Film ist eine sinnvolle Ergänzung zum Besuch des Grabungsgeländes – nicht nur für das junge Publikum eine enorme Bereicherung.

In völlig neuem Gewand präsentiert sich auch die Website von Aguntum, die von Alexander Schöffmann userfreundlich gestaltet wurde und eine Fülle an wissenswerten Infos über die einstige Römerstadt liefert. Die neue Homepage www.aguntum.info wird noch im Laufe dieser Woche freigeschaltet.

Im Sommer werden im Museum mehrere Touch-Screens installiert, die das Außengelände per „Fingerdruck“ quasi ins Haus liefern. Und natürlich, ergänzt Gomig, spanne man nun auch soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter ein, um weitere Zielgruppen zu erreichen.