Was nach dem Burnout kommt

Burnout ist in den Chefetagen angekommen. Aber was kommt danach? Für den Wiedereinstieg in das Berufsleben ist eine Neubewertung der Arbeitssituation hilfreich.

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Von Barbara Egger

Innsbruck –„Wenn es um die Frage geht, was nach dem Burnout kommt, sollte nicht der Eindruck erweckt werden, dass Betroffene nach sechs Wochen wie ein Möbelstück restauriert sind“, betont Paola Piombo. „Man kann nicht sofort wieder hundertprozentig in das Arbeitsleben einsteigen. Das ist unrealistisch“, erklärt die stv. ärztliche Leiterin des Sonnenpark Lans.

Im Reha-Zentrum für psychische Krankheiten oberhalb von Innsbruck werden Klienten, die von Burnout betroffen sind, im Schnitt sechs Wochen mit unterschiedlichen Therapieformen, behandelt – darunter eine Kombination aus Einzel- und Gruppentherapien.

Betroffene, die an Burnout erkrankt sind, kämen mit unterschiedlichen Lebens- und Arbeitssituationen nach Lans. „Manche sind schon länger arbeitslos, andere wieder kommen direkt aus dem Arbeitsleben zu uns. Es ist auch zu klären, wie stark die psychischen Beeinträchtigungen sind“, sagt Piombo. Im Allgemeinen aber, so die Fachärztin für Psychiatrie, fordere der Wiedereinstieg in das Berufsleben nach der Therapie eine Neubewertung der Arbeitssituation. „Betroffene können nicht mit der Leistung in das Arbeitsleben eintreten, die sie vorher erbracht haben. Es braucht eine Zwischenphase.“

Für Arbeitnehmer ebenso wie Arbeitgeber sei es daher ratsam, sich mit dem Thema „Was kommt nach dem Burnout?“ auseinanderzusetzen. „Es hilft beiden Seiten, klar zu definieren, welche Ziele bei einem Wiedereinstieg ins Arbeitsleben nach einer Burnout-Rehabilitation realistisch sind“, betont Astrid Hoyer. Um in den Arbeitsprozess langsam wieder hineinzukommen, schlägt die Bereichsleiterin für Psychotherapie im Sonnenpark Lans beispielsweise eine 50-Prozent-Lösung vor. „Das macht Sinn. Die Betroffenen sind längerfristig belastbar und voll einsatzfähig“, erklärt Hoyer. Werde der sechswöchige Reha-Aufenthalt lediglich als Schnitt betrachtet, kämen Betroffene relativ rasch wieder an ihre Grenzen. Das führe erneut zu Krankenständen.Psychotherapeutin Hoyer: „Es profitieren beide Seiten davon, Regelungen im Sinne eines langsamen Wiedereintrittes zu machen.“

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Doch nicht nur der Arbeitgeber, auch Angehörige seien häufig der Ansicht, dass die Betroffenen nach der Therapie sofort wieder voll einsatzfähig seien. Dieses Bild müsse korrigiert werden. „Betroffene brauchen Zeit. Arbeitgeber und auch Angehörige haben längerfristig mehr davon, wenn sie das mit unterstützen“, meint Hoyer. Der Druck, wieder voll funktionstüchtig zu sein, untergrabe den Therapieerfolg. „Es gibt Patienten, die sich aus diesem Druck heraus nicht wirklich auf eine Therapie einlassen können. Das schränkt die Möglichkeit ein, sich auf psychische Prozesse einzulassen“, erklärt Fachärztin Piombo dazu. In der Praxis gäbe es zwar Arbeitgeber, die Verständnis für die Situation von Betroffenen aufbringen würden. „Wir erleben aber auch, dass Patienten während des Aufenthaltes gekündigt werden“, so Piombo.

Überzeugt sind die Burnout-Expertinnen davon, dass das Thema Burnout in der Öffentlichkeit aber auch in den Chefetagen angekommen ist. „Burnout ist eine in der Öffentlichkeit inzwischen anerkannte Diagnose“, sagt Piombo. Doch würden nach wie vor viele glauben, dass ein Reha-Aufenthalt ein Urlaub sei. Dabei leiden die Betroffenen unter Schuldgefühlen und darunter, aus dem Arbeitsprozess ausscheiden zu müssen und nichts mehr leisten zu können. „Die meisten Patienten wollen wieder in den Arbeitsprozess zurückkehren und nicht in die Invaliditätspension geschickt werden“, betont Piombo. Vielen sei es wichtiger, wieder eine Aufgabe zu haben und eine Rolle in der Gesellschaft zu spielen – auch wenn damit eine mögliche Stundenreduktion mit finanziellen Einbußen verknüpft sei.

Für einen erfolgreichen Wiedereinstieg in das Arbeitsleben ist es Voraussetzung, dass Betroffene so rasch wie möglich Hilfe in Anspruch nehmen. „Betroffene sollten, sobald sie die ersten Symptome erkennen wie Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, möglichst rasch Hilfe in Anspruch nehmen. Ich erlebe immer wieder, dass die Suche nach Hilfe in der Regel zu spät kommt“, erklärt Piombo. Burnout sei auch keine Krankheit, die nach sechswöchiger Therapie einfach wieder verschwindet. Die Betroffenen müssten sich intensiv mit dem krankmachenden Verhalten und dem eigenen Entwicklungspotenzial auseinandersetzen. Deshalb räumt das interdisziplinäre Expertenteam im Sonnenpark Lans auch der Nachbetreuung einen wichtigen Stellenwert ein. Gemeinsam mit den Patienten wird für die Zeit nach der Entlassung ein Behandlungsplan erarbeitet. Dieser reiche von der weiterführenden Psychotherapie bis hin zur Unterstützung bei Umschulungsmaßnahmen. Dass Betroffene in ihre Jobs zurückkehren, zähle aber nicht zur primären Aufgabe der sechswöchigen Therapie in Lans. „An erster Stelle steht die persönliche Entwicklung, die auch in der Folge die Rückkehr an den Arbeitsplatz mit sich bringt. Es geht um Integration ins Leben. Das heißt für jeden Betroffenen individuell etwas anderes“, so Piombo.


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