Sky schwächelte, aber isolierter Froome hielt dem Druck stand

Lediglich Tour-Favorit Christopher Froome wusste bei Titelverteidiger Sky in den Bergen zu überzeugen. Edelhelfer Wasil Kirijenka fällt aus.

Saint-Nazaire - Chris Froome ist nach den Pyrenäen zwar der Spitzenreiter der Tour de France, die Vorstellung seiner Teamkollegen auf der zweiten Bergetappe am Sonntag dürfte in der Sky-Mannschaft des Briten auch noch am ersten Ruhetag einige Sorgenfalten hinterlassen haben. Der am Samstag noch hinter Froome auf Platz zwei gekletterte Richie Porte verlor wie alle anderen Sky-Profis früh den Anschluss. Zudem kam der titelverteidigenden Truppe mit dem Weißrussen Wasil Kirijenka wegen Überschreitung der Karenzzeit einer wichtiger Helfer ganz abhanden.

Der Parforceritt am Samstag nach Ax-3-Domaines hatte offenbar Spuren hinterlassen, aber nicht bei Froome. Denn der auf sich alleine gestellte Vorjahreszweite parierte alle Attacken seiner schärfsten Rivalen. Vor allem die Spanier Alejandro Valverde und Alberto Contador - beide bekanntlich mit Doping-Vergangenheit - ließen nichts unversucht. Auch der kolumbianische Kletterer Nairo Quintana aus Valverdes Movistar-Team lancierte mehrere Angriffe, die Froome zum Reagieren zwangen. Am Ende rollte der Vorjahreszweite aber mit allen relevanten Widersachern gemeinsam über den Zielstrich.

Er habe in der Gruppe mit Contador und Co. alles im Griff gehabt, bemerkte Froome, gab aber auch zu, einen sehr harten Tag verbracht zu haben. Das frühe Wegbrechen seiner Teamkollegen sei wegen der Arbeit am Vortag verständlich und nicht beunruhigend gewesen. „Ich denke es ist ziemlich normal, dass sie es ein wenig gespürt haben, wenn man die Arbeit bedenkt, die sie davor für mich geleistet haben. Sie sind auch nur Menschen und sie können das nicht jeden Tag machen. Manchmal bist du dabei und am anderen Tag nicht“, meinte der Träger des Gelben Trikots, der nach seinem Solosieg am Samstag zum wiederholten Male Dopingverdächtigungen vehement von sich gewiesen hatte.

Nach dem Wegfall seines Edelhelfers Porte („Vielleicht der schlechteste Tag, denn ich je hatte“) führt Froome in der Gesamtwertung nun vor Valverde, dessen Rückstand 1:25 Minuten beträgt. Contador liegt als Sechster 1:51 zurück. Dahinter folgt Quintana, der hofft, dass man Froome mit den vielen Attacken nachhaltig geschadet haben könnte. „Wir haben der Welt gezeigt, dass Sky auch Schwächen hat, aber Froome ist wirklich stark und es ist schwer, ihm wehzutun. Wir haben ihm aber einige Energie entziehen können, indem wir ihn arbeiten und im Hinblick auf die nächsten Etappen leiden haben lassen“, meinte Quintana.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Ob Froome tatsächlich etwas anzuhaben ist, wird sich wohl am Mittwoch beim Einzelzeitfahren in Mont-Saint-Michel (33 km) oder spätestens bei der Fahrt auf den Mont Ventoux am Sonntag weisen. Dazwischen haben auf flacherem Terrain wieder die Sprinter das Sagen. Froomes nicht für die Tour nominierter Teamkollege Bernhard Eisel glaubt jedenfalls felsenfest an den Gesamtsieg das Zeitfahr-Olympiadritten. „Auch wenn ihm die Pyrenäen viel Kraft gekostet haben, am heutigen Ruhetag kann er sich wieder gut erholen. Chris wird das Gelbe Trikot nach Paris bringen, davon bin ich überzeugt“, sagte Eisel.

Etwas unerwartet mischen nach neun Etappen auch noch die auf den Rängen drei und vier liegenden Niederländer Bauke Mollema und Laurens ten Dam aus dem vormaligen Rabobank-Team Belkin mit. Dahinter folgen zeitgleich Contador und dessen Saxo-Edeldomestik Roman Kreuziger. Die ehemaligen Sieger Andy Schleck (LUX/RadioShack) und Cadel Evans (AUS/BMC) sind mit mehr als vier Minuten Rückstand hingegen wohl schon aus dem Rennen um die Podiumsplätze. (APA)


Kommentieren