Flut war heuer die „mit Abstand teuerste Naturkatastrophe“ weltweit

Die Hochwasserkatastrophe im Juni hat einen Schaden von mehr als zwölf Milliarden Euro angerichtet. Der weitaus größte Teil davon entstand in den Überschwemmungsgebieten in Deutschland.

München - Hochwasser wie in Deutschland, Österreich und Europa mit Milliardenschäden sind im ersten Halbjahr rund um den Globus die folgenschwersten Naturkatastrophen gewesen. Naturereignisse hätten in den ersten sechs Monaten einen weltweiten wirtschaftlichen Gesamtschaden von umgerechnet schätzungsweise 35 Mrd. Euro verursacht, teilte die Münchener Rück am Dienstag mit. Das Hochwasser in Deutschland und den Nachbarstaaten sei mit zwölf Mrd. Euro die „mit Abstand teuerste Naturkatastrophe gewesen“.

Größter Schaden in Deutschland

Überschwemmungen hätten im ersten Halbjahr weltweit 47 Prozent der Gesamtschäden durch Naturkatastrophen ausgemacht, die sich in Europa, Asien, Kanada und Australien ereignet hätten, teilte die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft mit. Von den 35 Mrd. Euro Gesamtschaden seien rund zehn Milliarden versichert gewesen. Unterm Strich sei der Gesamtschaden deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre geblieben. Dieser habe sich auf 85 Mrd. Dollar (66,15 Mrd. Euro) belaufen.

Von dem Zwölf-Milliarden-Schaden durch Hochwasser in Europa sei ein Viertel oder rund drei Mrd. Euro versichert gewesen, teilte die Münchener Rück mit. Der weitaus größte Teil des versicherten Schadens sei auf Deutschland entfallen. 2002 hatte das Elbe-Hochwasser nach Angaben der Münchener Rück einen Gesamtschaden von 16,5 Mrd. US-Dollar verursacht. Der Dollar und der Euro waren damals weitgehend gleichauf. Der versicherte Schaden habe sich 2002 auf 3,4 Mrd. Dollar belaufen.

Die Schweizer Rückversicherung Swiss Re hatte am Montag die Versicherungsschäden durch das Hochwasser in Europa auf 2,7 bis 3,5 Mrd. Euro geschätzt. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht für Deutschland nach einer Schätzung von vergangener Woche von einem Gesamt-Versicherungsschaden durch die Fluten von rund zwei Mrd. Euro aus.

Flüsse brauchen Platz

Rückversicherungen sind die Versicherungen der Versicherer. Die Konzerne müssen für einen Teil der Kosten aufkommen, die Versicherungen Flutopfern erstatten.

In Deutschland hätten sich Hochwasserereignisse seit 1980 verdoppelt, erklärte Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied der Münchener Rückversicherung. Dies müsse berücksichtigt werden, wenn neue Gewerbe- oder Wohngebiete ausgewiesen würden. „Flüsse brauchen Platz, damit Hochwasserwellen ohne schwere Schäden abfließen können.“

Teuerster Schaden nach dem Hochwasser in Europa im ersten Halbjahr sei eine Unwetterfront in den USA mit schweren Tornados gewesen, teilte die Munich Re mit, wie sich der Rückversicherer heute nennt. 26 Menschen seien ums Leben gekommen, 370 verletzt worden. Der gesamtwirtschaftliche Schaden habe sich auf drei Mrd. Dollar (2,3 Milliarden Euro) summiert, davon sei die Hälfte versichert gewesen.

Folgenschwer sei in der ersten Jahreshälfte auch eine Überschwemmung in der kanadischen Provinz Alberta gewesen, teilte die Munich Re mit. Daneben habe es Sturzfluten in Indien und Nepal gegeben, die humanitär besonders schwerwiegend gewesen seien. Im ersten Halbjahr habe es weltweit 460 „schadenrelevante“ Naturereignisse gegeben und damit mehr als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, der bei 390 lag. (AFP/dpa/tt.com)


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