Das Vier-Generationen-Haus

Vom alten Haus konnte sich die Seglerfamilie Zingerle nicht trennen. Also wurde saniert, verkleidet, zugebaut. Von der Oma bis zum Urenkel sind alle miteinander verbunden.

Von Vanessa Grill

Wattens –„Erhalten oder abreißen?“, war die Frage bei einem Haus aus den 50er-/­60er-Jahren in Wattens. Doch viele Erinnerungen und viel Herzblut steckten noch in dem altersschwachen Gebäude und auch die Raumaufteilung erschien der Familie Zingerle gar nicht so schlecht. „Wir entschieden uns für den Erhalt. Das Haus musste allerdings saniert werden. Außerdem benötigte die Familie noch zusätzlich Platz“, erklärt Robert Pfurtscheller vom Innsbrucker Architekturbüro madritsch-pfurtscheller.

Das komplexe Raumprogramm stellte für die Architekten eine Herausforderung dar. Das bestehende Haus, in dem bisher Elisabeth und Anton Zingerle mit dessen Mutter gewohnt hatten, sollte nun einer der beiden Söhne mit seiner Frau beziehen. Auch der Großmutter sollte noch ein Wohnbereich zur Verfügung stehen. Die Eltern des jungen Mannes beschlossen, sich in einem bungalowartigen Zubau ihr neues Reich einzurichten. Dieser Neubau steht auf der Südwestseite im Garten. „Dabei handelt es sich um einen Betonwinkel, der dreiseitig verglast ist“, beschreibt Pfurtscheller. Auf den 85 Quadratmetern Wohnfläche mit vier Metern Raumhöhe befinden sich ein großer offener Wohnbereich und das Schlafzimmer. In einem Halbgeschoß ist der Arbeitsbereich von Elisabeth Zingerle untergebracht.

Der Zubau ist durch eine Terrasse und durch den Keller mit dem Bestandshaus verbunden. Der Keller verbindet nicht nur die beiden Häuser, sondern auch die ältere und die jüngere Generation. Die Zingerles sind eine Seglerfamilie und im Bootskeller wird gemeinsam am Segelboot getüftelt und gewerkt.

Das Bestandshaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche wurde innen etwas geöffnet und blieb äußerlich komplett erhalten. „Es wurde allerdings verkleidet“, erläutert Pfurtscheller, „Die Fassade im Erdgeschoß aus sägerauer Lärchenschalung hüllt alle Bauteile in dieser Ebene ein und verbindet somit optisch Alt- und Neubau. Ober- und Dachgeschoß sind mit Blech ummantelt.“ Das Erdgeschoß nutzt das junge Paar mit seinem kleinen Sohn zum Schlafen. Das Doppelhaus beherbergt also mittlerweile die vierte Generation.

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Im Süden zur Gemeinschaftsterrasse sind Wohn-, Schlaf- und Badezimmer der Großmutter angelegt. Im Obergeschoß befindet sich der offene Wohn-, Koch-, und Essbereich der jungen Familie. Zwischenwände definieren die einzelnen Bereiche. Eine Dachterrasse nach Süden dient als Rückzugsort. Der Blick von dort fällt auf das begrünte Dach des Zubaus der Eltern und in den Garten. Diesen möchte Christoph Zingerle noch durch ein spezielles Accessoire ergänzen. Der Meteorologe ist ein Skandinavien-Fan, verrät Pfurtscheller, daher rühre der Wunsch nach einer finnischen Sauna.

Das alte Stiegenhaus wurde in den Dachboden verlängert. Die Ausführung in Form von Birkenholzplatten mit Löchern wie in einem Schweizer Käse ist ein echter Hingucker. „Wir haben den Dachboden bewusst nicht ausgebaut, sondern innerhalb seiner Grenzen raffiniert ausgebaut“, so Pfurtscheller. Dieser Mehrzweckraum verfügt mit eingebauten Schränken über viel Stauraum. Auch ein ausklappbares Bett fand Platz. Raumhohe Panoramafenster nach Süden und Norden durchfluten den schmalen, langen Raum mit Licht.

„Die Familie Zingerle hat nicht nur bei der Planung viel mitgestaltet“, berichtet Pfurtscheller, „sondern auch selbst mitangepackt.“ So wurde beispielsweise der Carport eigenhändig aufgebaut und auch die Steinfliesen in der Zufahrt selbst verlegt. Die Zingerles wissen eben aus Erfahrung, dass das Zuhause am schönsten ist, wenn Herzblut drinsteckt.


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