Held von Fukushima ist tot: Masao Yoshida blieb als alle davonliefen

Masao Yoshida ist tot. Der Manager des AKW Fukushima wurde als „Held von Fukushima“ gefeiert. Er setzte sich über Befehle hinweg – und verhinderte Schlimmeres. Jetzt starb er an Krebs.

Fukushima – „Es gab Situationen, in denen ich dachte, wir würden hier alle sterben. Ich fürchtete, die Anlage würde außer Kontrolle geraten“, sagte Masao Yoshida einmal in einem Interview. Der Direktor des Atomkraftwerks von Fukushima zum Zeitpunkt des verheerenden Tsunamis, hatte an jenem 11. März nach dem schwersten Erdbeben der japanischen Geschichte schwere Entscheidungen zu treffen.

„Er musste die Entscheidung treffen, welcher Arbeiter das Atomkraftwerk verlassen durfte und welche bei ihm bleiben und helfen sollten“, sagte Tatsujiro Suzuki nach der akuten Krise in Fukushima im Tonfall der Bewunderung. „Das waren vielleicht die schwersten Entscheidungen seines Lebens“, fügte Suzuki von der japanischen Atomaufsicht hinzu.

Yoshida wusste, welche Risiken er selbst einging und welchen er seine Mitarbeiter aussetzen musste.

Zum Helden wurde er aber mit anderen Entscheidungen. Als kurz nach dem Tsunami das AKW Daiichi außer Kontrolle zu geraten drohte, bewahrte er einen kühlen Kopf. Aus der Zentrale des Energieunternehmens Tepco erreichten ihn Befehle, die er vor Ort einfach ignorierte - und damit Schlimmeres verhinderte. Besonders kritisch war die Order, das Kraftwerk praktisch aufzugeben und keine Kühlalternative für die immer heißer werdenden Reaktorkerne einzusetzen.

Yoshida blieb

Yoshida blieb während sich alle anderen vor der radioaktiven Strahlung in Sicherheit brachten. Er entschied, dass Meerwasser in die havarierten Atommeiler gepumpt wird – eine letzte verzweifelte Maßnahme um das Ausmaß der Kernschmelze einzudämmen. Und Yoshida koordinierte die Aufräum- und Reperaturarbeiten an den Reaktoren und Abklingbecken unter extremsten Bedingungen - ohne Rücksicht auf mögliche persönliche Verluste.

Das Land ehrte ihn dafür als einer der „50 Helden von Fukushima“. Tepco selbst gestand später ein, dass „ohne Yoshida die Katastrophe noch viel schlimmer“ geworden wäre.

„Ich kann mir nicht vorstellen, wie hart es für ihn gewesen ist“, sagte Suzuki mitfühlend. 70 Millisievert radioaktive Strahlung hat Yoshida offiziell abbekommen. Nominell keine tödliche Dosis und vermutlich auch nicht der unmittelbare Auslöser für seine schlussendlich tödliche Krankheit. Masao Yoshida erkrankte an Speiseröhrenkrebs. Bereits 2011 legte er seinen Beruf als Leite des Kernkraftwerks nieder. 2012 folgte ein Schlaganfall. Nun ist Yoshida an den Folgen seiner Erkrankung gestorben.

Wenn auch nur indirekt kann Yoshida am Ende doch zu den rund 16.000 Todesopfer des 11. März gezählt werden. 180.000 Menschen verloren außerdem ihre Heimat. Japan hat nun einen Helden verloren. (tt.com)


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