Lois Töchterle, der Hüter des Obernberger Sees

Seit Jahrzehnten ist Alois Salchner, vulgo „Der Töchterle“, Hirte auf der Oberreinsalm am Obernberger See. Das geplante Hotel hält er für eine Katastrophe.

Von Alexandra Plank

Obernberg –Hellblaue Augen, die aus einem bärtigen Gesicht blitzen, das fällt einem bei Alois Salchner als Erstes auf. Der 75-Jährige ist ein Obernberger Original und im ganzen Tal nur als „Der Töchterle“ bekannt. Seit seiner Geburt habe er die Sommer auf der Oberreinsalm verbracht, erzählt der Hirte, der heuer 30 Kühe unter seiner Obhut hat. Seine Alm ist die letzte, an der Wanderer vorbeigehen, wenn sie auf dem Steig zum Obernberger See hinaufgehen.

Der Töchterle ist bodenständig und musikbegeistert. Auf dem Heuboden der Alm steht ein altes Klavier. Voll Elan spielt Salchner den Schneewalzer. „Es klingt nicht mehr so gut, weil es seit 30 Jahren hier oben steht“, entschuldigt er sich. Seine zweite große Leidenschaft ist das Arbeiten mit Holz. Aus welchem Holz ist er eigentlich geschnitzt, der Lois? „Aus einem zachen Holz“, sagt er lachend. Er sei einer, den so schnell nichts aus der Ruhe bringe. Kommt die Rede allerdings auf das Hotelprojekt am Obernberger See, ist es mit der Gutmütigkeit vorbei.

Seit drei Jahren wird verhandelt, ob die Pläne des Unternehmers Gerhard Stocker, Wohntanks in die Erde rund um den idyllischen Obernberger See zu vergraben, verwirklicht werden dürfen (siehe Kasten). Derzeit steht dort ein altes Gasthaus. Nirgendwo sonst in Tirol gebe es ein derartiges Projekt, schimpft der Töchterle. Ein Naturdenkmal wie der Obernberger See sei nicht der richtige Ort, um einen architektonischen Versuch zu starten. Als größte Gefahr sehe er, dass der See ausrinnt. „Ich habe den See über Jahrzehnte beobachtet und weiß, dass das passieren könnte.“ Mit der Agrargemeinschaft hat er Einspruch gegen das Projekt eingelegt. „Ich hoffe auch, dass der Umweltanwalt erfolgreich ist.“ Über eine Protestaktion denke er zudem nach. „Der Obernberger See ist meine Heimat, ich kenne jeden Quadratmeter, der Bau wäre eine Katastrophe“, sagt Salchner. Besonders ärgert ihn, dass ihm ein kurzer Weg zur Holzbringung beim Anstieg zum See aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht genehmigt worden sei, während oben, wie er sagt, ein „Wahnsinnsbau“ entstehen soll. Dann ist er aber wieder ganz Naturbursch und spielt auf seiner Ziehharmonika.


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