Mitreißender Jazz-Fest-Schlussakkord von Eric Burdon

Der 72-jährige Blues-Haudegen begeisterte im Rathaus-Arkadenhof zum Auftakt seiner Europa-Tour.

Von Werner Müllner, APA

Wien - Wenn ein 72-Jähriger als Konzert-Opener ironischerweise „When I Was Young“ wählt, obwohl er noch volle Power hat: Dann kann das nur Eric Burdon sein. Der mehrfach totgesagte Blues-Shouter sorgte Mittwochabend im Arkadenhof des Rathauses für den großartigen Schlussakkord des „Jazz Fest Wien 2013“ - mit alten Hits und neuer Kraft.

Im Vorjahr musste Burdon beim Jazz-Fest noch kurzfristig absagen, und zwar wegen eines gravierenden Rückenproblems - nicht wenige, die das nicht geglaubt hatten und einen Rückfall in die schlechten alten Zeiten mit Drogen- und sonstigen Problemen mutmaßten. Dabei musste sich der Blues-Altstar - seit Jahren in jeder Hinsicht „clean“ und: Teetrinker - tatsächlich einer OP unterziehen. Umso begeisternder zu erleben, dass er nun zum Start seiner Europa-Tour 2013 wieder Vollgas geben kann.

Wobei Burdon glücklicherweise nicht nur in alten Zeiten und Hits schwelgt: Auch live großartig etwa der neue Titel „Black Dog“, den er im Vorjahr mit den „Greenhorns“ auf einer viel zu wenig beachteten EP veröffentlicht hat. Burdon schickte dem neuen Song dann den uralten, aber auch heute noch mitreißenden Anti-Vietnamkriegs-Klassiker „We Gotta Get Out Of This Place“ hintennach - 50 Jahre Karriere eben...

Grandiose Songs funktionieren einfach, egal wie alt sie sind - vor allem, wenn ein Sänger immer noch eine derart „schneidende“ Blues-Stimme vorzuweisen hat wie Burdon. Einer wie er kann auch noch überzeugend „Don‘t Let Me Be Misunderstood“ intonieren - obwohl der Song von den Disco-Fuzzis von „Santa Esmeralda“ in den 1970ern breitenwirksam verhunzt wurde (Burdon hat das Lied, das ursprünglich Nina Simone interpretiert hatte, 1964 mit den Animals aufgenommen - nur um der historischen Wahrheit Genüge zu tun).

Der Mega-Hit „House Of The Rising Sun“ war im Arkadenhof schließlich ebenso unausweichlich wie großartig. Und als letzte Zugabe verneigte sich der weiße Blues-Man vor den schwarzen Vorvätern: mit einer grandiosen Version von John Lee Hooker‘s „Boom Boom“. Übrigens: Das aktuelle Album von Eric Burdon heißt „‘Til Your River Runs Dry“ und ist absolut hörenswert. (APA)


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