„Saatgut-Dialog“: Berlakovich will alte Sorten schützen

Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich hat aufgrund des Entwurfs zur EU-Saatgutverordnung eine Enquete initiiert, an der Vertreter von Politik, NGOs, Industrie und Konsumenten teilnehmen.

Wien - Alte, seltene Sorten schützen und gleichzeitig der heimischen Saatgutproduktion Chancen im internationalen Wettbewerb einräumen – das sind die zwei wesentlichen Punkte, auf die sich die von Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) initiierte „Saatgut-Enquete“ am Donnerstag geeinigt hat. Grund für die Enquete, an der sich Vertreter der Politik, NGOs, Industrie und Konsumenten beteiligt hatten, ist die Saatgutverordnung der Europäischen Union, die derzeit als Entwurf vorliegt. „Noch sind einige Punkte offen“, betonte Berlakovich im Zuge der Präsentation der Enquete-Ergebnisse.

Zwar sei der Entwurf der Verordnung aufgrund von Protesten in mehreren europäischen Ländern bereits abgeändert worden, zufrieden sei man jedoch noch nicht. „Wir wollen eine unbürokratische Regelung ohne hohe Kosten für Kleinerzeuger“, erklärte der Landwirtschaftsminister. So wolle man nicht nur alte und seltene Sorten schützen und die genetische Vielfalt erhalten, sondern auch die heimische klein- und mittelständische Saatgutwirtschaft unterstützen, die sich bereits jetzt oft in einem starken Konkurrenzkampf befinde.

„Sortenvielfalt ist Familiensilber Österreichs“

„Die Sortenvielfalt ist das Familiensilber Österreichs“, meinte der Minister. Berlakovich sprach sich daher vor allem für nationale Spielräume in der Verordnung aus, vergleichbar den „schon jetzt bestehenden österreichischen Saatgutregelungen mit allen Ausnahmen zur Erhaltung alter Sorten.“

Unterstützung erhielt der Landwirtschaftsminister dabei unter anderem von der Saatgutwirtschaft. „Österreich hatte ein praktikables System, vor allem im Hinblick auf Nischensorten. Das sollte auch auf EU-Ebene fortgeführt werden“, so Michael Gohn, Geschäftsführer der Probstdorfer Saatzucht und Obmann der Getreidesektion der europäischen Saatgutvereinigung. Er sprach sich jedoch auch dafür aus, Zulassung und Sortenschutz nicht unzulässig zu vermengen: „Wenn wir hier eine Entflechtung schaffen, werden wir einen Weg finden.“

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Startschuss für „Saatgut-Dialog“

Die „Saatgut-Enquete“ sei nur der Startschuss für einen ganzen „Saatgut-Dialog“, erklärte der Landwirtschaftsminister. Über diesen Dialog und die lebhafte Diskussion freute sich auch Heidemarie Porstner, Landwirtschaftsexpertin der Umweltschutzorganisation Global 2000. „Es ist wichtig, dass Österreich hier eine Signalfunktion übernimmt und eine starke gemeinsame Position vertritt“, meinte sie.

Zusammen mit Arche Noah hatte Global 2000 bereits im Vorfeld der österreichischen Diskussion die Online-Petition „Freiheit für Vielfalt“ initiiert. Kritikpunkt an der EU-Verordnung ist vor allem das strenge und aufwendige Registrierungsverfahren für alte und seltene Sorten. Damit sei die freie Weitergabe des Saatguts der Biodiversitätssorten und das Fortbestehen vieler regionaler Sorten gefährdet. Berlakovich hatte diese Petition bereits im April unterzeichnet.

Um die gemeinsam festgelegten Ziele in Brüssel auch durchzusetzen, will Berlakovich Österreichs Verbindungen innerhalb der Europäischen Union spielen lassen. „Der Einsatz Österreichs hat sich schon oft ausgezahlt.“ Derzeit stehe man jedoch noch am Beginn der Debatte, der Ausgang sei ungewiss. (APA)


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