Schicksalstag für Dayli: Jede dritte Filiale sperrt zu, über 1200 Jobs weg

1261 Beschäftigte verlieren bei der insolventen Drogeriemarktkette dayli ihren Job. 355 Filialen werden geschlossen, 522 bleiben vorerst geöffnet.

Wien - Die insolvente Drogeriekette dayli (vormals Schlecker) sperrt 355 der 877 Filialen zu, 1261 Beschäftigte verlieren ihren Job. Für die verbliebenen 2207 Beschäftigten heißt es aber weiterhin zittern. Denn Eigentümer Martin Zieger muss bis spätestens Ende Juli einen Investor gefunden haben. Zieger selbst sprach am Freitag von einem Finanzbedarf von 40 Mio. Euro - zu Wochenbeginn war noch von 30 Mio. Euro die Rede.

„Ich hoffe dass in den nächsten zwei Wochen ein Abschluss mit den angekündigten Investoren wirklich möglich ist, sonst muss ich auch den Rest zusperren“, so Masseverwalter Rudolf Mitterlehner in einer Aussendung. Ende Juni hatte dayli noch Vorräte im Wert von 15,3 Mio. Euro und knapp 8 Mio. Euro in der Kassa. Die Überschuldung betrug zum Stichtag 30. Juni 56,37 Mio. Euro.

Seit Donnerstag lockt das Unternehmen Kunden mit starken Rabatten in die Filialen. Obwohl die meisten Regale seit Wochen kaum mehr gefüllt sind, hat es dem Masseverwalter zufolge seit der Aktion „überraschend hohe Umsätze“ gegeben.

Das Landesgericht Linz hat mittlerweile den Antrag des dayli-Masseverwalters auf Schließung von 355 Filialen genehmigt. Ab morgen Samstag sind die betroffenen Filialen in der Insolvenzdatei im Internet abrufbar.

Investorensuche bis Ende Juli

Sollte bis spätestens Ende Juli kein Investor gefunden werden, dann geht die Insolvenz in eine geordnete Liquidation über, berichten der KSV1870 und Creditrefom in Aussendungen. Aus dem Sanierungsverfahren würde dann ein Konkurs.

Parallel zur Insolvenzabwicklung läuft die Anmeldefrist für alle Gläubiger noch bis 13. September 2013. Neben den Beschäftigten sind rund 950 Vermieter und 1340 weitere Gläubiger von der Insolvenz betroffen.

Von Eigentümer Martin Zieger hieß es am Freitag in einer Aussendung: „Die Entscheidung des Masseverwalters zeigt, dass das von uns vorgelegte Konzept eine Chance hat, potenzielle Investoren zu überzeugen sowie Arbeitsplätze und die Nahversorgung in Österreich zu sichern. Wir arbeiten intensiv daran das Unternehmen und die Arbeitsplätze zu erhalten. Sobald wir konkrete Ergebnisse haben, werden wir umgehend darüber informieren.“

Der bisherige Dayli-Chef Rudolf Haberleitner hatte sich kurz vor dem Sanierungsantrag von seiner Firma getrennt. Seine Anteile an der TAP 09 Beteiligungs GmbH trat er an Zieger ab.

KSV-Kantner lobt Masseverwalter und begrüßt Fortführung

Der Chef des Kreditschutzverbandes (KSV) von 1870, Hans-Georg Kantner, ist mit der nun gefundenen Lösung für die insolvente Drogeriekette sehr zufrieden. Masseverwalter Rudolf Mitterlehner habe „total verantwortungsvoll“ und „sehr professionell“ reagiert. „Die Fortführung ist der Schlüssel“, so Kantner zur APA. Aber er gibt auch zu bedenken: „Die Zeit drängt.“

Generell lasse sich sagen, dass ein Handelsbetrieb leichter fortzuführen sei als viele andere Betriebe, da die Waren sehr schnell umgeschlagen werden und daher viel Liquidität im Unternehmen sei. Wie das Tagesgeschäft weiter geführt wird, entscheidet der Masseverwalter auf Vorschlag des Unternehmens. Inhaber Martin Zieger müsse nun in den nächsten Wochen zumindest einen niedrigen zweistelligen Betrag auftreiben, so Kantner.

Gewerkschafter verspricht rasche Hilfe

Der Vizechef der Gewerkschaft der Privatangestellten, Karl Proyer, versprach den Gekündigten, dass man so rasch wie möglich deren Ansprüche erfassen und an den Insolvenzentgeltfonds melden werde, damit die Betroffenen schnell zu ihren Geld und ihren arbeitsrechtlichen Ansprüchen kommen. Des weiteren gibt es für die nunmehr arbeitslosen Handelsbeschäftigten - meist Frauen in Teilzeit, viele davon Alleinerzieherinnen - Arbeitsstiftungen. Hier erwartet sich Proyer die entsprechende Unterstützung von den Ländern.

Er zeigte sich zufrieden mit der „guten Kooperation“ mit Zieger, zum Ex-Eigentümer und nunmehrigen Geschäftsführer Rudolf Haberleitner gebe es keinen Kontakt. „Der hat auch nichts mehr zu sagen“, so Proyer auf APA-Anfrage.

GPA-Chef Wolfgang Katzian erinnerte die nunmehr Gekündigten daran, dass sie nach einer unverzüglichen Meldung beim AMS einen Vorschuss auf das Arbeitslosengeld beantragen können.

Zinsenlose Kontoüberziehung für Mitarbeiter möglich

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) merkte an, dass die nunmehr arbeitslosen dayli-Mitarbeiter in den Arbeitsstiftungen - je nach Potenzialanalyse - eine bis zu vierjährige Ausbildung absolvieren können. „In dieser Zeit erhalten die Teilnehmerinnen neben dem Arbeitslosengeld ein Stiftungsstipendium.“

Hundstorfer betonte, dass die Banken zugesagt hätten, den dayli-Mitarbeitern, die ja alle noch auf ihr Juni-Gehalt und Urlaubsgeld warten, eine zinsenlose Kontoüberziehung zu gewähren.

Team Stronach: Neuerliche Kritik an Gewerkschaft

Das Team Stronach meinte heute einmal mehr, dass die Gewerkschaft für den Jobabbau mitverantwortlich sei. Grund sei die Weigerung gewesen „innovative Geschäftsmodelle“ zuzulassen. Von einer geforderten Sonntagsöffnung war bei der Übernahme von Schlecker durch Haberleitner keine Rede - dafür meinte Haberleitner damals: „3.000 Filialen in 20 Ländern, von Süddeutschland bis Ex-Jugoslawien. Ich will den ganzen Balkan, so schaut‘s aus. (...) „Wir haben eine unglaubliche Aktion in Planung, die war noch nie da auf der Welt. Das wird alles toppen, Sie werden sehen.“ (APA/dpa)


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