Mercosur-Staaten rufen Botschafter aus europäischen Ländern zurück

Der Zwangsstopp des des bolivianischen Staatschefs Evo Morales in Wien hat politische Nachwehen. Der südamerikanische Wirtschaftsverbund verurteilt das Verhalten europäischer Länder scharf.

Montevideo/Washington - Der südamerikanische Wirtschaftsverbund Mercosur hat den Zwangsstopp des bolivianischen Staatschefs Evo Morales in Wien im Zusammenhang mit der US-Überwachungsaffäre verurteilt und vereinbart, dass seine Mitgliedsstaaten aus Protest ihre Botschafter „zu Konsultationen“ aus Frankreich, Italien, Spanien und Portugal zurückrufen. Dies teilte Uruguays Außenminister Luis Almagro am Freitag beim Mercosur-Gipfel in Montevideo mit.

Die betroffenen Länder hatten in der Nacht zum 3. Juli die Überflugrechte für die aus Moskau kommende bolivianische Regierungsmaschine verweigert, weil es den Verdacht gab, an Bord könnte sich neben Morales auch der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden befinden. Der bolivianische Präsident musste in Wien zwischenlanden und durfte erst 13 Stunden später nach einer Durchsuchung weiterfliegen. Der Verdacht erwies sich als falsch.

Mercosur verurteilte „Aggression“ von EU-Staaten gegen Evo Morales

Der südamerikanische Wirtschaftsverbund hat die „Aggression“ mehrerer EU-Staaten gegen den bolivianischen Staatschef Evo Morales verurteilt. Die Mitgliedsstaaten machen die Regierungen von Frankreich, Italien, Spanien und Portugal für die erzwungene Zwischenlandung der Maschine von Morales am 3. Juli in Wien verantwortlich.

Die Mercosur-Vollmitglieder Brasilien, Argentinien, Uruguay und Venezuela wollen eine Erklärung und eine Entschuldigung für den Vorfall fordern, sagte Venezuelas Präsident Nicolas Maduro, der in Montevideo den sechsmonatigen Vorsitz des Bundes übernahm. „Die Aggression gegen Evo (Morales) ist eine Aggression gegen alle (Mercosur-Mitglieder)“, sagte Maduro. Die Staatschefs bekräftigten auch ihre Unterstützung für ein Asylrecht Snowdens. Bolivien, Venezuela und Ecuador hatten dem 30-jährigen US-Computerspezialisten Asyl anboten.

Morales erklärte vor seinen Mercosur-Kollegen, im bolivianischen Außenministerium sei 17 Minuten vor seiner Landung in Wien per E-Mail ein Auslieferungsantrag der US-Regierung für Snowden eingegangen. Dies sei ein Anzeichen für die Beteiligung der USA an der Überflugverweigerung für die bolivianische Präsidentenmaschine. (APA/AFP/dpa)


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