Katastrophe treibt Schutzbau an

Nach dem Hochwasser vom Juni soll es mit den Verbauungen rascher gehen.

Kössen, St. Johann –Eine besonders bittere Erfahrung für viele Hochwasseropfer in Kössen: Schutzmaßnahmen an der Großache waren bereits in Bau, allerdings erst der erste von insgesamt fünf Abschnitten fertiggestellt, als die Flut kam. „Kössen war besonders tragisch, weil wir mit dem zweiten Abschnitt gerade beginnen wollten“, sagt Markus Federspiel, Leiter des Sachgebiets Schutzwasserwirtschaft und Gewässer­ökologie beim Land Tirol. Als Reaktion auf die Katastrophe sollen die verbleibenden Baustufen zu einer großen mit einem Volumen von fünf Millionen Euro zusammengefasst und beschleunigt umgesetzt werden. Dies sei auch möglich, weil der Bund zusätzliche Mittel in Höhe von einer Milliarde Euro für die nächsten fünf Jahre beschlossen hat. Wie viel davon nach Tirol fließt, steht noch nicht fest.

Deutlich rascher soll auch der Schutzbau an der Fieberbrunner Ache in St. Johann vorangehen. Der Bund hatte die Baumaßnahmen auf das Jahr 2020 verschoben. Die Gemeinde wollte das nach der brenzligen Situation, als die Ache über die Ufer zu schwappen drohte, heuer nicht mehr hinnehmen und forderte erfolgreich einen früheren Baustart ein. Die Gemeinde wollte den Bundesanteil zunächst vorfinanzieren. Jetzt zahlt das Ministerium sofort mit. „Für das erste Baulos gibt es bereits eine Genehmigung“, weiß Federspiel. Die direkten Hochwasserschäden an den Talflüssen in Tirol betragen rund 4,6 Millionen Euro. Vor allem Uferbefestigungen und Flussbette müssen wiederhergestellt werden. Durch die Katastrophe seien auch Folgemaßnahmen in Höhe von 12 Mio. Euro ausgelöst worden, erklärt Federspiel.

In der Debatte um die Freihaltung von Retensionsräumen, die bei Überschwemmungen geflutet werden könnten, wolle das Land bei seiner Linie bleiben, sagt Federspiel. „Im Gefahrenzonenplan ein Retensionsraum bedeutet Bauverbot“. Allerdings gehe es darum, diese Räume noch besser zu bewirtschaften und später zu fluten. Das Land habe im Jahr 2009 ein Projekt gestartet, um für die Flüsse systematisch Gefahrenzonenpläne anzufertigen. Dieses Vorhaben gehe jetzt dem Ende entgegen. Rund 600 km Flussläufe seien bereits überarbeitet. (cm)


Kommentieren