Der Spielspaß verliert sich in der Finsternis

„Dark“ vom deutschen Entwickler-Studio Realmforge ist zwar schön anzusehen, frustriert aber durch den am Anfang hohen Schwierigkeitsgrad, die fade Story und den uninteressanten Hauptcharakter.

© Kalypso

Von Lukas Schwitzer

Innsbruck - Von „Thief“ bis „Splinter Cell“ haben sich Spiele, deren zentrales Element das Schleichen ist, seit langem einen fixen Platz in der Gaming-Welt verdient. Nicht zuletzt, weil in vielen Studios vermutet wird, dass sie einfacher zu produzieren sind als z.B. Rollenspiele oder bombastisch inszenierte Action-Kracher. Dass dies nicht der Fall ist, zeigt der deutsche Entwickler Realmforge Studios mit dem Schleich-Spiel „Dark“.

Eric akzeptiert schnell

In „Dark“ übernimmt der Spieler die Rolle von Eric Bane, der am Beginn des Spiels zu einem Vampir gemacht wird. Ohne Erinnerung oder eine Ahnung von seinem neuen Unlebensabschnitt findet er sich in einem Nachtclub wieder, der zufällig von einer knapp bekleideten Blutsaugerin geleitet wird. Eric wird schnell vor vollendete Tatsachen gestellt und akzeptiert diese sogar noch schneller. Nun ist man also ein Vampir, was jetzt?

Frisch erschaffene Vampire müssen das Blut ihres Erschaffers trinken, kommt prompt die Antwort. Ansonsten droht der mentale Verfall und eine Existenz als gedankenloses Monster. Da Erics mystisches Elternteil aber unbekannt ist, muss eine Alternative her: Das Blut eines alten und mächtigen Vampirs soll als Ersatz ebenfalls den Verfall abwehren. Und so macht es der frischgebackene Untote zu seiner Mission, unbarmherzig die mächtigen Vampir-Senioren anzugreifen und auszusaugen.

Strohdumme, sehschwache Gegner

Eric stehen bei seiner Suche mehrere spezielle Vampir-Kräfte zur Verfügung. So ist es ihm möglich, sich über kurze Strecken zu „teleportieren“ und auch weit entfernte Gegner aus den Schatten heraus anzugreifen. So zumindest die Formulierung in den Kräfte-Menüs, im Spiel selbst haben Schatten und Licht nämlich keinerlei Auswirkung. Egal ob in einem finsteren Eck oder direkt unter einer Lampe, Eric ist immer gleich schwer oder einfach zu sehen. Glück nur, dass die unzähligen Wachen, denen man auf dem Weg durch die Levels – u.a. ein Museum und ein Wolkenkratzer – begegnet, offenbar allesamt mit einer Sehschwäche geschlagen sind, die sie nicht weiter als etwa 15 Meter sehen lässt. Schmiegt sich Eric an irgendeine senkrechte Fläche, ist er für Gegner auf der anderen Seite ohnehin nicht zu sehen – selbst, wenn es sich bei der Fläche um Glas handelt.

Die Dummheit der Gegner mag es dann auch sein, die es noch frustrierender erscheinen lässt, wenn man v.a. in den ersten beiden Levels Dutzende Tode stirbt. Die Räume, die man auf dem Weg zu seinem Ziel durchqueren muss, sind meist mit schießwütigem Wachpersonal überfüllt. Vor allem als noch etwas schwächerer Vampir zu Beginn des Spiels braucht es dabei meist mehrere Versuche, bis man die Tür am anderen Ende erreicht, die gerne auch noch unter den argwöhnischen Blicken meist mehrerer Gegner steht, die nur schwer zu umgehen sind. Das hakelige Deckungssystem tut sein Übriges dazu, dass der Spieler schon einmal zu nicht jugendfreier Sprache greifen muss.

Fazit

Im Lauf des Spiels wird „Dark“ zwar etwas weniger frustrierend, was den Schwierigkeitsgrad angeht, unterhaltsamer wird es aber leider nicht. Auch die Story kann keine Besonderheiten bieten und Eric Bane selbst bleibt charakterlich blass und blutleer. Die wenigen Lichtblicke wie vereinzelte nützliche und nett inszenierte Vampir-Kräfte sowie die allgemein sehr hübsch gestaltete Welt in Celshading-Optik sind leider zu wenig, um die Motivation aufrecht zu erhalten.

Unsere Bewertung: 5/10

Entwickler: Realmforge Studios

Publisher: Kalypso Media

„Dark“ ist seit 5. Juli für PC und Xbox 360 erhältlich.

Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt von Kalypso Media.


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