Todesschütze freigesprochen: Obama rief nach Urteil zur Ruhe auf

„Wir sind ein Rechtsstaat, die Jury hat entschieden“, so der US-Präsident nach dem umstrittenen Urteil.

Washington/Sanford - Nach dem Freispruch im Prozess um den Tod des schwarzen Teenagers Trayvon Martin hat US-Präsident Barack Obama zur Ruhe aufgerufen. „Wir sind ein Rechtsstaat, die Jury hat entschieden“, erklärte Obama am Sonntag mit Blick auf das Urteil der Geschworenen, die den Nachbarschaftswächter George Zimmerman am Vortag freigesprochen hatten. Die sechs Mitglieder der Jury waren nach 16-stündigen Beratungen zu dem Schluss gekommen, dass Zimmerman nicht des Totschlags an dem unbewaffneten Jugendlichen schuldig sei. In den USA wurden Unruhen befürchtet.

„Ich fordere nun jeden einzelnen Amerikaner dazu auf, den Aufruf zu ruhigem Nachdenken zu befolgen“, wie er von den Eltern Trayvon Martins geäußert worden sei, erklärte Obama. Er kam nicht auf seine früheren Äußerungen zurück, in denen er gesagt hatte, falls er einen Sohn hätte, so hätte dieser „wie Trayvon Martin ausgesehen“.

Obama brachte den Fall aber in Verbindung mit seinem Einsatz für strengere Waffengesetze. „Wir sollten uns fragen, ob wir alles unternehmen, um die Welle der Gewalt mit Schusswaffen aufzuhalten“, erklärte Obama. Es gelang ihm Anfang des Jahres nicht, für schärfere Waffengesetze eine parlamentarische Mehrheit zusammenzubekommen.

Die sechs Frauen in der Jury, darunter fünf Weiße, mussten einstimmig über Schuld und Unschuld des angeklagten Nachbarschaftswächters entscheiden. Sie begannen die Beratungen am Freitag, vertagten sie aber nach kurzer Zeit auf Samstag. Zuvor hatten die Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Schlussplädoyers gehalten. Bei einem Schuldspruch wegen schweren Totschlags drohte Zimmerman lebenslange Haft. Zuletzt befand er sich gegen eine Kaution von einer Million Dollar auf freiem Fuß.

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Zimmerman hatte Trayvon Martin am Abend des 26. Februar 2012 auf einem Patrouillengang in Sanford erschossen, nachdem es in der Gemeinde eine Reihe von Einbrüchen gegeben hatte. Der unbewaffnete Jugendliche befand sich auf dem Weg von einem kleinen Einkauf nach Hause. Zimmerman beteuert, dass Martin ihn zuerst attackiert habe. Der Fall sorgte in den USA für großes Aufsehen, da der Verdacht bestand, dass bei der Tat und beim anschließenden Umgang der Polizei mit dem Fall Rassismus im Spiel war. (APA/AFP)


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