Wenn das Verbandsbüro zum Call-Center wird

Die TT besuchte den Tiroler Fußballverband und schaute den Funktionären am letzten Transfertag im Sommer über die Schulter.

Von Manuel Lutz

Innsbruck –Im Sekundentakt läutet das Telefon, Minute für Minute zischt eine andere Person durch die Eingangstür – man könnte meinen, sich im Kundencenter eines großen Unternehmens zu befinden. Fehlanzeige! Es ist das kleine Büro des Tiroler Fußballverbandes. Grund für den Ansturm ist der letzte Transfertag.

Bereits um 10 Uhr morgens ist der Posteingang von Helga Hörtnagl, die für das Meldeamt zuständig ist, mit 157 neuen E-Mails ausgelastet. „In der vergangenen Woche waren es pro Tag an die 100 Mails, heute werden es mindestens 400“, erklärt Hörtnagl. Mit einem Schmunzeln fügt sie hinzu: „Ich sehe schon nichts mehr.“

Als Alternative zur elektronischen Datenübermittlung gibt es natürlich nach wie vor die klassische Variante, alles per Brief zu schicken. Zahlreiche Funktionäre der Vereine bevorzugen es sogar, dem Verband persönlich einen Besuch abzustatten, um auf Nummer sicher zu gehen. Verschnaufpausen sind ein Fremdwort.

Unterstützung bekommt Hörtnagl von einem Routinier. Seit 17 Jahren ist Alexan-der Viertl beim Verband tätig, für ihn ist es somit die 34. Transferperiode. „Das ist Alltag, ich bin es gewohnt“, lässt sich Viertl nicht aus der Ruhe bringen.

„Es sind 155 Vereine, circa 1000 Übertritte wird es heuer geben, also insgesamt 2000 Meldebewegungen“, gewährt Gerhard Neurauter, Leiter des Verbandes, Einblicke. Bei Meldungen, die online eingehen, müssen Freigabe und Unterschrift geprüft werden. Obwohl dieses Verfahren viel Zeit in Anspruch nimmt, ist Neurauter ein Befürworter der neuen Methode: „In den 80er-Jahren gab es Karteikarten, die mussten auch immer neu geschrieben werden, das war genug Arbeit. Mit der Möglichkeit, alles online zu schicken, hilft man Vereinen, die von weiter weg sind.“ Der Weg zum Verbandsbüro, das sich beim Tivoli-Stadion befindet, kann damit gespart werden.

Am 1. Juni startete die Übergangzeit, dennoch spielt sich beinahe alles am letzten Tag ab. „Der sportliche Leiter von Wattens, Robert Auer, hat nach ein paar Tagen immer alles erledigt. Der muss aber wegen des Cups alles früher melden“, so Neurauter.

Karl-Heinz Findler, Obmann der SPG Innsbruck West, erörtert das Problem: „Bis die ganzen Freigaben endlich da sind und die Jungs vom Urlaub wieder zurückkehren, dauert es halt. Heute muss ich noch mal kurz vor Mitternacht vorbeischauen und das letzte Formular in den Briefkasten werfen.“ Bei diesem Vorhaben ist Findler sicher nicht der Einzige. „Um Mitternacht geht es noch mal rund, da will jeder in letzter Sekunde seine Anträge in den Postkasten werfen“, weiß Viertl, der jedoch klarstellt: „Nach 24 Uhr nehmen wir nichts mehr an.“

Begleitet wird der ganze Papierkram von der einen oder anderen lustigen Anekdote: Da der Sohnemann im Moment den Urlaub genießt, muss die Mutter in die Bresche springen. Während der Arbeitszeit düst sie schnell zum Büro des TFV und gibt den Transfer ihres Knaben bekannt. Die nächste Spielzeit ist gesichert. „Diesen Job muss man mit Humor nehmen“, erklärt Neurauter mit einem Grinsen – ehe schon wieder das Telefon läutet.


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