Raiba Reutte: Anlagegelder fließen ab

Die Redimensionierung der größten Bank Westtirols schreitet voran. Der Mitarbeiterstand wird reduziert, vier Bankstellen werden zusammengelegt. Die Regionalbank mit Fokus Außerfern bleibt hingegen stabil.

Reutte, Jungholz –Im 115. Jahr ihres Bestandes blickten dieser Tage die Gremien der Raiffeisenbank Reutte bei der Generalversammlung auf ein schwieriges Jahr 2012 zurück. Wie die Jahre zuvor stand es ganz im Banne der Schuldenkrise im Euroraum. Die unzähligen Diskussionen um die Zukunft Griechenlands, die Zypern-Krise, die immer schwieriger zu bewältigende Schuldenlast einiger Eurostaaten und negative Realzinsen sorgten für ein nachlassendes Vertrauen bei den Anlegern.

„Die Geschäftseinheit Regionalbank mit ihrem Fokus auf die Lebensfinanzdienstleistung zeigte sich davon weniger beeindruckt und darf auf ein zufrieden stellendes Jahr zurückblicken“, freut sich Christian A. Frick, der für die Regionalbank zuständige Geschäftsleiter. So konnte in der Region das Kundengeschäftsvolumen auf knapp 600 Millionen Euro gesteigert werden. Zur Verbesserung des regionalen Serviceangebotes wurde im abgelaufenen Geschäftsjahr die Bankstelle Berwang umgebaut. Um den gestiegenen Anforderungen der Kunden in Sachen Beratungs- und Betreuungsqualität gerecht werden zu können, werden Anfang 2014 die Bankstellen Elmen, Heiterwang und Höfen geschlossen und mit ihren Nachbarbankstellen zusammengelegt. An besagten Orten bleibt ein Selbstbedienungsangebot bestehen.

Ganz anders stellt sich das Bild bei den Vermögensanlageeinheiten Bankhaus Jungholz in Österreich und der Schweiz sowie dem Bankhaus Bauer in Stuttgart dar. „Die Nachfrage nach hochwertigen Private-Banking-Dienstleistungen, eine Domäne unserer Bank, hat in den letzten Jahren einen erheblichen Einbruch erfahren“, erklärt Johannes Gomig, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Reutte. Viele Kunden, vor allem aus Deutschland, bevorzugen in der jetzigen Phase die Anlage in Festgeldern und am Sparbuch. Und gerade Banken in Deutschland versuchen, ihre aus den gestiegenen Basel-III-Anforderungen resultierenden Liquiditätsprobleme mit hohen Zinssätzen für Kundeneinlagen in den Griff zu bekommen, werden die Hintergründe erklärt.

Mangels geeigneter Mittelverwendung kann sich die Raiffeisenbank Reutte diesem Zinswettbewerb nicht stellen. So fließen seit einigen Jahren beträchtliche Anlagegelder ab. Auch Vermögensverlagerungen in Immobilien tragen dazu bei. Das in der Vergangenheit für viele ausländische Anleger so wichtige Bankgeheimnis in Österreich und der Schweiz spielt in der Zukunft keine Rolle mehr. Bekanntlich wird sich Österreich voraussichtlich ab 2015 dem automatischen Informationsaustausch innerhalb der EU anschließen. Analog dazu wird auch die Schweiz von der EU aufgefordert, Erträgnisse ihrer Kunden an die Wohnsitzfinanzämter zu liefern. Eine Transparenz, die viele Kunden stört, wird ihnen doch in Deutschland von der Bank lediglich eine Abgeltungssteuer ohne separate Meldung abgezogen.

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Die Raiffeisenbank Reutte will sich mit ihren Vermögensanlageeinheiten in den drei Ländern Österreich, Deutschland und Schweiz klarer positionieren und sich damit noch stärker von ihren Mitbewerbern, vor allem Banken aus Deutschland, unterscheiden. „Wir haben unseren Beratungsprozess im Bereich der Risikoanalyse weiter verfeinert und steigern so den Mehrwert für den Anleger markant. Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit stehen dabei im Zentrum unseres Handelns“, sagt Johannes Gomig zum zentralen Element im Private Banking.

Die vermögenden Privatkunden der Bank aus dem süddeutschen Raum (Bayern, Baden Württemberg) erwarten sich immer mehr eine mobile Betreuung zu Hause. Somit macht das Aufrechterhalten von zwei Vermögensanlagezentren innerhalb von 40 Kilometern für die Raiffeisenbank Reutte keinen Sinn mehr. Daher wird Anfang 2014 eine Verlagerung der Private-Banking-Einheit in Reutte (Haus Glocke) nach Jungholz vorgenommen.

Immerhin: Das Bankhaus Jungholz mit seinen Einheiten in Österreich und der Schweiz wurde – gemeinsam mit dem Bankhaus Bauer in Stuttgart – für seine hervorragende Vermögensberatungs- und Vermögensverwaltungsqualität beim größten Test von Finanzdienstleistern des deutschsprachigen Europas, dem Elite-Report des Handelsblattes, zum 10. Mal in Folge mit dem Titel „Summa cum laude“ ausgezeichnet.

„Der Konzern Raiffeisenbank Reutte hat aktuell folgende Herausforderungen zu bewältigen: sinkende Kundengeschäftsvolumen und Erträge in der Vermögensberatung und -verwaltung sowie geringere Zinserträge aufgrund des niedrigen Zinsniveaus“, schildert der für die Finanzen zuständige Vorstand Ralf Götz. Gezielte Kosteneinsparungen sind für ihn daher eine logische Folge. So hat sich bereits im ersten Halbjahr 2013 im Konzern der Mitarbeiterstand – überwiegend durch das Auslaufen von Zeitarbeitsverträgen und natürliche Fluktuation – um 20 Personen auf unter 300 reduziert. Das Kundengeschäftsvolumen des Konzerns erfuhr im Jahr 2012 eine Reduktion um 10 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Der abermalige Rückgang beim Betriebsergebnis um 1,6 Mio. Euro bringt die schwierigen Rahmenbedingungen zum Ausdruck, mit denen sich die Raiffeisenbank Reutte mit ihren Tochterbanken derzeit auseinandersetzen muss. Mit einem EGT von 1,1 Mio. Euro weicht die Bankengruppe markant von den Ergebnissen vergangener Jahre ab.

Die Bilanzsumme liegt mit 690 Millionen nur unwesentlich unter der des Vorjahres. Mit Eigenmitteln von 109 Millionen und einer Solvabilitätskennziffer von rund 22 Prozent überschreitet die Bank die gesetzlich vorgeschriebene Quote von acht Prozent aber beinahe um das Dreifache. „Das lässt uns in dieser Hinsicht beruhigt den schärferen Eigenmittelbestimmungen von Basel III entgegensehen“, schließt Ralf Götz. (hm)


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