ORF-TVthek künftig nicht mehr werbefrei

Die Medienbehörde erlaubt eine Vermarktung und Erweiterung der Videoplattform – allerdings unter Auflagen.

Wien –Weitgehend grünes Licht gab die Medienbehörde KommAustria am Montag für die Vermarktung und Erweiterung der Online-Videoplattform ORF-TVthek. Jedoch mit einigen Einschränkungen: Unterbrecherwerbung darf es auf der TVthek künftig nur dann geben, wenn dies auch im Fernsehen erlaubt wäre. Werbung – egal ob zu Beginn, in der Mitte oder am Ende von Nachrichten, politischen Formaten oder Kindersendungen – ist verboten. Die vom ORF beantragte inhaltliche Erweiterung des Online-Angebots genehmigt die KommAustria hingegen „in vollem Umfang“, wie es in einer Aussendung der Behörde hieß.

Der ORF hatte bereits im September beantragt, die TVthek um Kaufproduktionen aus dem Dokumentar- und Kulturbereich sowie um ein zeitlich unbegrenzt abrufbares Archiv erweitern zu dürfen. Dagegen hatte die Behörde in ihrem aktuellen Bescheid nichts einzuwenden, da sie darin „einen wirksamen Beitrag zur Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags erkennt“. Künftig sollen in der TVthek auch Formate wie „Universum“, „Weltjournal“, „kreuz und quer“ oder „dok.film“ zugelassen sein.

Das „Go“ der Behörde bekommt der ORF auch für seinen Wunsch nach einer Verlängerung der Abrufbarkeitsdauer. Sendungen von zeithistorischem Wert aus den Bereichen Geschichte und Politik dürfen künftig ohne zeitliche Beschränkung angeboten werden. Formate, die regelmäßig – „in einem sieben Tage überschreitenden Intervall“ – im ORF vorkommen, dürfen 30 Tage lang (statt bisher sieben) auf der TVthek zu sehen sein. Auflage der Medienbehörde ist es, dass sich der ORF einen so genannten Ad-Blocker, also ein Software-Programm mit dem Werbung auf Videoportalen ausgeblendet werden kann, gefallen lassen muss. Sollte ein Nutzer so einen Ad-Blocker verwenden, darf der ORF die Nutzung der TVthek nicht „technisch beeinträchtigen oder verhindern“. Abgewiesen wurde auch das Vorhaben, bei Live-Streams die TV-Werbung durch so genannte Mid-Roll-Spots zu ersetzen. Banner-Werbung gestattet die KommAustria hingegen weitestgehend.

Der ORF will den Bescheid „in den kommenden Tagen prüfen“, so ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann. Er ist nur dann rechtskräftig, wenn binnen zwei Wochen weder ORF noch Bundeswettbewerbsbehörde Berufung einlegen. Für den Verband Österreicher Privatsender (VÖP), der von Anfang an gegen die Vermarktung der TVthek eingetreten ist, ist der Bescheid der KommAustria zwar kein Grund zum Jubeln, man sei aber froh, dass es der Bundeswettbewerbsbehörde, die hier den Markt vertritt, gelungen sei, doch ein paar Einschränkungen durchzusetzen, so VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm. (APA, TT)

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