Mindestens sieben Tote bei nächtlicher Gewalt in Kairo

260 Menschen wurden zudem bei Zusammenstößen zwischen Mursi-Anhängern und Sicherheitskräften verletzt. Erstmals seit dem Umsturz reiste ein hoher Beamter der US-Regierung nach Kairo.

Kairo - Bei den nächtlichen Zusammenstößen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind nach Angaben der Behörden mindestens sieben Menschen getötet und mehr als 260 weitere verletzt worden. Der Chef der örtlichen Rettungskräfte, Mohammed Sultan, sagte am Dienstag, dass allein fünf Menschen im Bezirk Gizeh bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des gestürzten Staatschefs Mohammed Mursi und Sicherheitskräften getötet wurden. Zwei Menschen starben demnach im Zentrum nahe des Tahrir-Platzes.

Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums gab die Zahl der Todesopfer ebenfalls mit sieben an, wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena berichtete. Mindestens 261 Menschen wurden den Rettungskräften zufolge verletzt. Nach Sultans Angaben waren unter den Verletzten auch Sicherheitskräfte. Die Demonstranten hatten in der Nacht unter anderem eine der wichtigsten Brücken Kairos blockiert und Steine auf Beamte geworfen. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Das ägyptische Militär hatte Mursi am 3. Juli, etwa ein Jahr nach dessen Amtsantritt, gestürzt. Die neue ägyptische Führung arbeitet derzeit an einem Plan für die Übergangszeit bis hin zu Neuwahlen. Ministerpräsident Hasem al-Beblawi will am Dienstag oder Mittwoch seine vollständige Regierungsmannschaft vorstellen. Die Parlamentswahl hat Übergangspräsident Adli Mansur für Anfang 2014 angekündigt.

US-Emissär plädiert für Dialog

Bei einem Besuch in Kairo rief der stellvertretende US-Außenminister William Burns die Akteure in dem tief gespaltenen Land zu Dialog und Gewaltverzicht auf. Der Spitzendiplomat ist der erste hochrangige amerikanische und auch westliche Regierungsvertreter, der das Land nach dem Umsturz vom 3. Juli besucht.

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„Wir werden nicht versuchen, irgendein Modell aufzuzwingen“, erklärte Burns nach seinen ersten Gesprächen in der ägyptischen Hauptstadt. Washington lege aber Wert auf „gewisse demokratische Prinzipien“.

Der amerikanische Nahost-Diplomat will bis Dienstag in der Nil-Metropole bleiben. Die USA verlangen - wie Deutschland - die Freilassung Mursis. Dieser wird seit seiner Entmachtung vom Militär an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten.

Die USA unterstützen Ägypten mit jährlichen Hilfen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar. Davon sind 1,3 Milliarden Dollar für das Militär bestimmt. Diese Zahlungen müssten nach US-Rechtslage eingestellt werden, falls Washington den Umsturz als Militärputsch einstuft. (APA, Reuters, dpa)


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