Reminiszenzen an die Flora Neuseelands

Die Welt der Beleuchtungskörper ist eine sehr breit gestreute und seit einiger Zeit komplett im Umbruch. Es gibt aber regelmäßig neue Kreationen und die Adaption sowie Re-Edition gelungener Klassiker.

Von Ursula Philadelphy

Der gebürtige Neuseeländer Jeremy Cole gilt heute als Star unter den Lampendesignern und ist mit seinen Entwürfen weltweit präsent. 1989 kam er nach London und sah in einer Ausstellung in der Tate­ Modern ein fast durchscheinend dünnes Porzellangefäß, das ihn so derartig faszinierte, dass er beschloss, ab sofort mit Porzellan zu arbeiten. Bereits zwei Monate später hatte er mit unendlich viel handwerklichem Geschick und Akribie seinen ersten Entwurf umgesetzt: die heute bereits als Ikone gehandelte „Aloe Blossom“. Aber auch „White Flax“ gilt als Porzellanwunder mit atemberaubender Ästhetik. Nach den Seeigeln und Hopfenblüten, die sich Cole für seine Entwürfe zum Vorbild nahm – sein einzigartiger Stil reflektiert immer die Flora seiner Heimat Neuseeland – experimentierte Cole weiter. Das Ergebnis war eine aufsehenerregende Auslage mit leuchtenden Orchideen für den New Yorker Juwelier Harry Winston an der fashionablen Fifth Avenue. Es folgten Porzellanorchideen in kleinen Töpfen, die auf einem Tablett standen: Elegant und üppig zugleich wird das Licht sanft im Raum verbreitet. Cole vertrat nun die Meinung, dass eine Orchideenblüte die Porzellankunst an ihre Grenzen treibe, aber das dachte man schließlich auch schon bei den teilweise über einen Meter langen Blütenblättern von „Aloe“ oder den skulpturalen Elementen von „White Flax“. Cole hat also weiterexperimentiert, ist der Orchidee treu geblieben und sein jüngstes Kind ist ein wunderschöner Orchideenzweig in einem Glaszylinder. Ein Beleuchtungskörper, der mehr ist als nur banaler Lichtspender – aber das war ja bei Cole immer schon so.

Wer es profaner und rudimentärer liebt, kommt aber auch auf seine Rechnung. So hat etwa Gubi auf dem diesjährigen Salone del Mobile in Mailand sowohl neue Designer als auch Re-Editionen vorgestellt. „Turbo“ von Louis Weisdorf, die spiralförmig gedrehte Kugelform aus chinesischem Reispapier kommt aus dem Jahr 1965 ins Heute. Eine simple Form mit komplexen Strukturen, sehr skulptural, wird im Herbst neu aufgelegt und bei Gubi ist man überzeugt, „It illustrates design at it’s best!“, und hat es daher verdient, wieder ins Rampenlicht gerückt zu werden.

Ebenfalls bezaubernde Klassiker sind die Entwürfe von Greta M. Grossman (1906–1999), die ihre Laufbahn als Industriedesignerin in Stockholm begann und dort auch ein eigenes Studio hatte. Bald war sie mit ihren Entwürfen, die auch auf dem Sektor Interieurdesign und Architektur Anklang fanden, weltweit bekannt. Nachdem sie 1933 den Jazzmusiker Billy Grossman geheiratet hatte gingen die beiden in die USA und ließen sich in Los Angeles nieder. Grossman’s wunderbar reduzierte Formensprache ließ die Stehlampe „Gräs­hoppa“, aus Stahl und pulverbeschichtetem Aluminium, zu einer Ikone werden und auch die „Cobra Lamp“, dem Kopf einer Kobra nachempfunden, gilt heute als Klassiker. Die Designerin findet sich mit ihren Entwürfen unter anderem im MoMA in New York, aber auch im National Museum in Stockholm und gilt unter Sammlern als Renner.

Das Zeug zu einem zukünftigen Klassiker hat hingegen der Entwurf „Ronde“ von Oliver Schick, der seit 2005 ein eigenes Studio mit Schwerpunkt auf Licht, Möbel und Interieurdesign hat. „Ronde“ ist sein erster Entwurf für Gubi, seine reduzierten Entwürfe findet man aber unter anderem auch bei Ligne Roset und Skandiform. Schick setzt ganz auf die Form und kombiniert einfache Linienführung mit sehr zurückhaltenden Farbvariationen.

Formal ähnlich, aber dafür sehr bunt geht es bei muuto zu, womit auf dem Sektor ganz insgesamt die breite Palette dokumentiert wird, in der es heute gutes Lampendesign gibt.

„Seacloud“ von ochre setzt auf die Kombination von Glas und Metall, hat eine spielerische, filigrane Formensprache und besticht entweder in polierter Bronze oder satiniertem Nickel – und selbstverständlich mit LED’s. Tendenziell ähnlich sind die Entwürfe von Gemma Fabri, die mit „Drip Light“ feine Pendelleuchten aus Keramik geschaffen hat – schmal, bunt und mit nach unten gerichtetem Lichtkegel. Ideal also, um sie, entweder solo oder im Bündel, für den Esstisch oder ein Sideboard einzusetzen.


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