Tiroler befürchten Wirtschafts-Talfahrt

Nur jeder zehnte Tiroler glaubt, dass es mit der Wirtschaft wieder bergauf geht, dennoch sitzt bei vielen das Geld lockerer in der Tasche als bisher. Und das, obwohl sich jeder Zweite vom Einkommen weniger leisten kann.

Innsbruck –Die Tiroler schätzen die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich sehr skeptisch ein. Nur 10 Prozent glauben, dass es mit der Wirtschaft in nächster Zeit aufwärtsgehen wird. Die überwiegende Mehrheit von 45 % hingegen schätzt die wirtschaftliche Situation weniger berauschend ein und rechnet mit einer weiteren Talfahrt. Damit sind die Tiroler deutlich pessimistischer, als es der Durchschnitt der Österreicher ohnehin ist (siehe Grafik). Immerhin ist die Stimmung aber besser als zu Jahresbeginn. Das ergab das Wirtschafts­barometer des Marktforschungsinstitutes Spectra, das zusammen mit den OÖN und den Bundesländerzeitungen (unter anderem die TT) veröffentlicht wird. Befragt wurden österreichweit 3000 Menschen, davon 242 in Tirol.

Trotz des überwiegenden Pessimismus blickt jeder zweit­e Tiroler „mit Zuversicht“ in die Zukunft. Zudem sitzt das Geld bei den Tirolern scheinbar lockerer als im restlichen Österreich. Jeder dritte Tiroler gab an, nicht weniger auszugeben als bisher. Gleichzeitig sagte aber fast jeder zweite Tiroler (44 %), sich mit dem Einkommen weniger leisten zu können als im Vorjahr – ein ziemlicher Widerspruch.

Ein Drittel geht hingegen sparsamer mit dem Geld um, österreichweit schränkt hingegen jeder Zweite seine Ausgaben ein. „Die Tiroler schwimmen offenbar stärker auf der Konsumwelle und haben sich vom wirtschaftlichen Umfeld weniger beeinflussen lassen“, sagt Spectra-Chef Peter Bruckmüller. Konkrete Gründe für die höhere Kauflaune der Tiroler kann er nicht erkennen.

Generell sei in Österreich das Konsumklima nicht so schlecht, wie es das Umfeld vermuten ließe. Nachdem die Österreicher zu Jahresbeginn ihre Ausgaben gedrosselt hatten, wird wieder mehr gekauft. „Die Menschen geben das Geld noch aus“, so Bruckmüller. Der Konsum gilt als Stütze der Wirtschaft, Bank-Austria-Ökonomen erwarten aber, dass der Konsum heuer erstmals seit 1997 stagnieren wird.

Sorge bereitet den Tirolern die wachsende Arbeitslosigkeit. Jeder zweite Tiroler befürchtet, dass die Zahl der Arbeitslosen weiter ansteigen wird. Im ersten Halbjahr waren bereits im Schnitt 23.300 Menschen in Tirol ohne Job.

Unschlüssig ist man sich allerdings, wie der Staat darauf reagieren soll. Ein Viertel der Tiroler ist der Ansicht, der Staat müsse sparen, um das Budget zu sanieren. Ein weiteres Viertel plädiert dafür, dass der Staat Geld ausgibt, um Jobs zu sichern und zu schaffen. Der Rest hält den Spagat aus beide­m für nötig. „Die Österreicher sehen die wirtschaft­liche Situation im eigenen Land nicht berauschend, aber auch nicht besorgnis­erregend“, bilanziert Bruckmüller. Interessant auch die Antwort auf die Frage, wie die Tiroler im Sinn­e eines Wetterberichts ihr­e Stimmung bezeichnen. Für fast jeden Zweiten ist sie „sonnig“, für knapp jeden Fünften wie ein „strahlend blauer Himme­l“. (mas)


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