Liebesglück auf Umwegen

Wie reagieren Menschen, wenn man sie spontan anspricht und sie bittet, über ihr Leben zu plaudern? In der Serie „Meine Geschichte“ verraten Tiroler Privates. Heute: Tamara Frötscher.

Von Miriam Hotter

Wattens – Ihr freundliches Lächeln zieht mich in ihre Richtung. Zwischen den vielen Badegästen, die an diesem heißen Tag im Schwimmbad Wattens auf der Wiese liegen, bahne ich mir den Weg. Auf die Frage, ob sie mir ihre ganz persönliche Geschichte erzählen will, muss ich bei Tamara Frötscher keine Überredungskunst anwenden. „Ich kann es ja mal probieren“, sagt die 32-Jährige und bietet mir sofort einen Platz auf ihrem Handtuch an.

Auf die Frage, was das Schönste in ihrem bisherigen Leben ist, zögert Frötscher keine Sekunde. „Als ich meine große Liebe gefunden habe“, antwortet die zweifache Mutter aus Volders und strahlt von einem Ohr zum anderen. Es war auf der Hochzeit ihrer Freundin. „Schon lange vor dem großen Tag sagte sie zu mir, dass ich auf der Hochzeit unbedingt mit einem gewissen Martin tanzen soll, weil er gut aussieht und genauso gerne tanzt wie ich“, erzählt sie. Der Unbekannte würde am selben Tisch sitzen, versprach die Freundin. „Als ich dann auf die Tischkarte neben mir spähte, konnte ich ein ‚M’ erkennen und dachte: Jetzt muss ich die Gelegenheit beim Schopf packen“, erklärt sie lachend. Doch als der junge Herr ihr eine Abfuhr erteilte, war sie wie vor dem Kopf gestoßen. Dieser Mann hasste nämlich Tanzen – und hieß auch gar nicht Martin. „Er stellte sich mit dem Namen Markus vor. Dann war mir alles klar“, erinnert sich Frötscher. Heute sind die beiden seit knapp sechs Jahren verheiratet. Liebe kann also doch Zufall sein. Oder war es Schicksal? „Ich bin sicher, es war Schicksal“, lacht Frötscher. Übrigens: Martin saß zwei Plätze weiter.

Geheiratet haben Tamara und Markus Frötscher ganz romantisch 2007 auf Mauritius. Nur ein Standesbeamter, zwei Trauzeugen und das Hochzeitspaar am Strand bei Sonnenuntergang – das war schon immer der Traum der beiden Tiroler. Organisiert habe die Hochzeit eine Reiseagentur. „Die Trauzeugen stammten aus unserem Hotel. An die Namen kann ich mich gar nicht mehr erinnern“, sagt die 32-Jährige. Das Produkt ihrer Liebe sind die beiden Söhne Raphael (5) und Jonas (4).

Wenn Frötscher sich nicht gerade um die Kinder kümmert, geht sie ihrem Beruf als Altenpflegerin nach. Seit der Matura habe sie ihren Arbeitsplatz nie gewechselt. „Für mich ist eine Erfüllung, Menschen zu helfen“, erklärt die junge Mutter.

Doch der Beruf hat auch seine Schattenseiten. „Ich bin ein Mensch, der schnell jemanden ins Herz schließt“, sagt sie. Wenn ein Mensch sterbe, den sie jahrelang betreut habe, gehe ihr das sehr nahe. „Ich kann mich noch erinnern, dass ich einmal einer Familie am Weihnachtstag mitteilen musste, dass die Mutter in der Nacht verstorben ist“, erzählt Frötscher. An die plötzliche Stille in der Leitung könne sie sich heute noch genau erinnern. „Das sind halt Dinge, an die man sich gewöhnen muss. Doch wenn ich dann einem alten Menschen eine Freude machen kann, weiß ich wieder, warum ich das mache.“

Ihre soziale Ader konnte Frötscher vor Kurzem auch im Reitstall ausleben. Als Behindertenbetreuerin arbeitete sie mit geistig beeinträchtigten Kindern, die durch das Reiten mehr Lebensfreude bekommen sollten. „Ein Bub mit Down-Syndrom weigerte sich jahrelang zu sprechen“, erinnert sich Frötscher. Seine Eltern haben den damals Zehnjährigen einmal in der Woche zur Therapie nach Volders gefahren, doch ausgestiegen sei er nie. „Wir haben achtmal probiert, den Kleinen zum Reiten zu überreden“, meint die Behindertenbetreuerin. Vergebens. Doch eines Tages stieg der Bub plötzlich aus, ging zu einem Pferd und fütterte es mit einer Karotte. „Er traute sich dann auch zu reiten. Seine strahlenden Augen werde ich nie vergessen“, sagt Frötscher. Die Eltern des Buben hätten ihr Wochen später erzählt, dass ihr Sohn seit diesem Zeitpunkt begonnen habe, mehr zu sprechen.

Pferde spielten schon immer eine große Rolle in Frötschers Leben. „Mit elf Jahren habe ich angefangen zu voltigieren.“ Mit den akrobatischen Übungen auf dem Pferderücken musste sie wegen eines Kreuzbandrisses aufhören. „Aber meine Kinder halten mich genug auf Trab.“


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