Keine Trendwende in Sicht - Yahoo muss weiter kämpfen

Der US-Konzern kürzte in der Nacht zu Mittwoch nach einem Einbruch bei den Preisen für Anzeigen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr.

Das Yahoo-Logo vor der Konzernzentrale in Kalifornien.
© REUTERS/Robert Galbraith

San Francisco – Die Trendwende beim Internet-Pionier Yahoo lässt weiter auf sich warten. Der US-Konzern kürzte in der Nacht zu Mittwoch nach einem Einbruch bei den Preisen für Anzeigen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr. Anstatt zu wachsen, gingen die Erlöse auch von April bis Juni leicht zurück. Nur aus China, wo Yahoo am Internet-Giganten Alibaba beteiligt ist, kamen positive Signale. Die seit einem Jahr amtierende Yahoo-Chefin Marissa Mayer - eine vielgepriesene Ex-Google-Managerin - stellt die Anleger damit weiter auf die Geduldsprobe.

Sie gab sich trotzdem selbstbewusst und kündigte an, künftig den Fokus wieder stärker auf die erlösträchtige Display-Werbung zu legen. Auf diesem Gebiet hat Yahoo seine frühere Vormachtstellung allerdings längst an die nun schier übermächtigen Rivalen Facebook und Google verloren. Mayer und Finanzvorstand Ken Goldman betonten, dass Yahoo an neuen Werbeformaten und Technologien arbeite, die den Trend umkehren würden.

Die Werte pro Anzeigen fallen

Analysten zufolge heizen vor allem Werbebörsen, die Anzeigeplätze anbieten, den Preiskampf an. „Die Talfahrt der Preise, die für eine Anzeige verlangt werden, hat erst begonnen“, sagte etwa BGC-Analyst Colin Gillis. Im zweiten Quartal fielen bei Yahoo die Werte pro Anzeige um zwölf Prozent zum Vorjahr - und beschleunigten damit das Minus im bisherigen Jahresverlauf.

Werbung ist die Haupteinnahmequelle des Unternehmens, zu dem der Fotodienst Flickr gehört und seit kurzem auch die für 1,1 Mrd. Dollar (838,5 Mio. Euro) erworbene Blogger-Plattform Tumblr. Insgesamt versucht Mayer mit diversen Übernahmen, wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Das Ziel ist es dabei, neue Trends nicht zu verpassen, die von kleinen Start-ups vorangetrieben werden.

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Yahoo rechnet im laufenden Jahr einem Umsatz von 4,45 bis 4,55 Mrd

Im laufenden Jahr rechnet Yahoo nur noch mit einem Umsatz von 4,45 bis 4,55 Mrd. Dollar. Bisher war das Unternehmen von 4,5 bis 4,6 Mrd. Dollar ausgegangen - auch dies hätte nur einer Wachstumsrate zwischen 0,7 und 3,0 Prozent entsprochen. Im zweiten Quartal ging der Umsatz leicht auf 1,07 Mrd. Dollar zurück. Der um Sonderfaktoren bereinigte Gewinn von 35 Cent je Aktie fiel fünf Cent höher aus als im Vorjahreszeitraum.

Unterdessen zeigte Alibaba, wie erfolgreich Internet-Geschäfte in China sein können. Das Unternehmen gehört zu knapp einem Viertel Yahoo. Alibabas Erlöse stiegen im abgelaufenen Quartal um 71 Prozent auf 1,4 Mrd. Dollar. Der Gewinn verdreifachte sich fast auf 669 Mio. Dollar. Es wird erwartet, dass Alibaba bald an die Börse geht. Es dürfte mit geschätzten 16 Mrd. Dollar der größte IPO seit Facebook werden.

Die Yahoo-Aktie büßte nach Börsenschluss am Dienstagabend in den USA zunächst mehr als zwei Prozent an Wert ein. Sie fing sich nach der Bekanntgabe der Alibaba-Bilanz aber und tendierte sogar über ein Prozent im Plus bei 27,19 Dollar.

Trotz der mageren Bilanz gab es auch positive Nachrichten für Yahoo. Der Konzern konnte bei einer Gerichtsentscheidung zu den umstrittenen Spionage-Programmen einen Sieg davontragen. Demnach muss die US-Regierung ein Urteil offenlegen, dass den Internet-Pionier dazu zwingt, mit amerikanischen Geheimdiensten zusammenzuarbeiten. Yahoo hatte bereits 2008 gegen den Zwang zur Kooperation bei Spionage-Programmen wie Prism Einspruch erhoben, vor dem Foreign Intelligence Surveillance Court jedoch eine Niederlage erlitten.

Nun stellte sich das für die Genehmigung von Spionage-Anträgen zuständige Gericht auf die Seite Yahoos. Die Firma zeigte sich entsprechend zufrieden und teilte mit, dass die Veröffentlichung der Dokumente einen konstruktiven Beitrag zur derzeitigen Diskussion leisten werde. (APA/Reuters)


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