3,60 Euro für Wasser: Kritik an Wirte-Wucher

Tiroler Gastronomiesprecher Hackl kritisiert Wucherpreise für Leitungswasser in Wiener Cafés als „völlig übertrieben“.

Innsbruck –Jeden Sommer wieder kocht ein Streit darüber hoch, ob Wirte für Leitungswasser im Gasthaus etwas verlangen dürfen. Die Wiener Cafetier-Familie Querfeld beispielsweise verlangt nun in einigen Betrieben – etwa im bekannten Café Landtmann oder im Café Museum – seit Kurzem 2,50 Euro für 0,5 Liter Leitungswasser. Auch im Wiener Café Mozart kostet Leitungswasser extra. In Wiener Gasthäusern reichen die Preise sogar bis zu 3,60 Euro für einen halben Liter Leitungswasser. „Solche Preise sind völlig übertrieben und nicht gerechtfertigt“, sagt selbst Josef Hackl, Obmann der Sparte Gastronomie in der Tiroler Wirtschaftskammer.

Auch in Tirol hatte das Thema Preise für Leitungswasser in vergangenen Jahren regelmäßig für Aufregung gesorgt. „Mittlerweile ist das Thema eingeschlafen. Ob Wirte oder Hütten für Leitungswasser etwas verlangen, weiß ich gar nicht“, sagt Hackl. Er betont, dass der Preis für Leitungswasser aber auf der Getränkekarte ausgewiesen sein muss. „Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass Kunden etwas konsumieren, auch wenn sie zuvor nur Leitungswasser trinken. Und wenn jemand 50 oder 70 Cent für einen halben Liter Leitungswasser verlangt, wird sich niemand aufregen.“ Im Grunde gehe es beim Streit ums Leitungs- wasser aber darum, die Dienstleistung zu bezahlen. Meist seien es Einheimische, die Gratis-Leitungswasser trinken. Touristen würden oft stilles Wasser bestellen, das ohnehin etwas kostet.

Laut Andrea Winkler, Schwester des urlaubenden Wiener Landtmann-Chefs und Kaffeehäuser-Fachgruppenobmanns Berndt Querfeld, sind die Preise in ihren Kaffeehäusern für Leitungswasser „eine Reaktion auf das Nullpreiskonsumieren von vielen Gästen“. Zahlreiche Kunden hätten zuletzt nur noch Wasser bestellt: „Das zwingt uns, dafür etwas zu verlangen. Immerhin leben wir vom Verkauf von Getränken und Speisen.“ Man habe mit den Reaktionen gerechnet, versicherte die Gastronomin, die sich um das Café Mozart bei der Albertina kümmert: „Wir wissen, was wir tun.“ Im vergangenen Monat sei mehr Wasser verschenkt als alkoholfreie Getränke verkauft worden. Dass nun dafür etwas verlangt wird, macht die Betreiber nicht reich, wie man dort beteuert. „Aber wir werden arm, wenn wir das nicht tun“, versicherte Winkler. Immerhin gebe es 350 Mitarbeiter in allen Häusern. Das Gratiswasser sei übrigens vor allem von Wienern verlangt worden, nicht von Touristen.

Willy Turecek, Obmann der Sparte Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, übte verhaltene Kritik – jedenfalls an den kolportierten 3,60 Euro eines Innenstadt-Lokals: „Das ist schon die Oberliga.“

Leitungswasser ist für Gastronomen auch nicht gratis. Die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) etwa verrechnen 1,45 Euro brutto (inkl. 10 % Mehrwertsteuer) – allerdings pro Kubikmeter, also für 1000 Liter. (mas, APA)


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