Fernsehen wie noch nie mit freiem Media Center

Plex & Xbmc: Open-Source-Software und nicht Großkonzerne wie Microsoft oder Apple gewinnen den Kampf ums Wohnzimmer.

Von Georg Holzer

Innsbruck –Microsoft versuchte schon vor zehn Jahren, einen Unterhaltungs-PC in jedes Wohnzimmer zu stellen. Apples Gründer Steve Jobs will kurz vor seinem Tod die Zukunft des Fernsehens „geknackt“ haben. Settop-Boxen mit Google TV liegen wie Blei in den Regalen. Ausgerechnet Software aus Open-Source-Projekten oder solche, die daraus hervorgegangen ist, setzt zum Triumph im Wohnzimmer an.

Xbmc steht für Xbox Media Center und entstand aus dem Willen, mehr aus der ersten Generation der Spielkonsole Xbox zu machen. Heute wird die Xbox nicht mehr unterstützt, aber aus dem Projekt gingen viele Settop-Boxen und Software für Fernseher oder Blu-Ray-Player hervor.

Xbmc gibt es als Programm für Windows, Macs und Linux in allen denkbaren Varianten. So lässt sich das Media Center auch auf dem nur 30 Euro teuren Billig-Computer „Rasp­berry Pi“ installieren, der ausreichend viel Grafikpower für Full-HD-Videos hat und dabei kaum hörbar ist.

Xbmc besitzt eine Oberfläche, die sich perfekt für Fernseher eignet und lässt sich über so genannte Skins individuell anpassen. Es spielt alle möglichen Video- und Audioformate ab, zeigt Fotos und ist die Basis für viele Apps (so genannte Plugins). Die enorme Flexibilität von Xbmc und seine unendliche Erweiterbarkeit sind Segen wie Fluch zugleich, denn dadurch leidet die Bedienbarkeit. Gerade Einsteiger verirren sich rasch in den vielen Optionen.

Xbmc holt sich seine Medien von Datenträgern (z.B. USB), dem Heimnetzwerk oder aus dem Internet. Am besten funktioniert dies mit einem Netzwerkspeicher – also einem kleinen Homeserver (NAS) oder einer Festplatte, die per USB am Internet-Router angesteckt ist und Filme bereitstellt.

Xbmc ist gratis, weil es von vielen freiwilligen Programmierern nach dem Open-Source-Prinzip entwickelt wird.

2008 trennte sich einer der Hauptentwickler von Xbmc und gründete Plex. Wie bei Xbmc werden die Abspielprogramme für Windows, Macs und Linux („Plex Media Centers“ genannt) nach dem Open-Source-Prinzip entwickelt. Plex bietet darüber hinaus zwei weitere Komponenten: den „Plex Media Server“ sowie Apps für mobile Plattformen. Der Server ist kostenlos, die Apps kosten jeweils fünf Euro – damit und mit einem Premiumdienst verdient die Firma ihr Geld.

Die Kombination Server, Media Center und Apps macht das System extrem mächtig und dennoch einfach in der Nutzung. Erster Unterschied: Die Benutzeroberfläche ist deutlich einfacher gestrickt, weshalb man die Kernfunktionen sehr schnell nutzen kann. Es gibt zwar auch Erweiterungen, diese sind aber so weit in den Hintergrund gerückt, dass man sich nicht in der Vielfalt verirrt. Das „Plex Media Center“ gibt es auch für vernetzte TV-Geräte von Samsung und LG. Darüber hinaus kann man es auf einem Raspberry Pi installieren. Als App ist es für Google TV und einige Sony-Modelle verfügbar.

Der Server wird auf einem Computer oder Netzwerkspeicher (NAS oder Raspberry Pi) installiert und bedient beliebig viele Media Center mit Filmen, Musik und Fotos.

Die Apps dienen nicht nur der einfachen Verwaltung der Mediendateien, sondern auch als Fernbedienung. Darüber hinaus kann der Server zu Hause seine Videos auch unterwegs auf Smartphones und Tablets anbieten. Die Videostreams passen sich dabei in der Qualität der jeweiligen Netzwerkgeschwindigkeit an.

Wie bei Xbmc ergänzt der Plex die Filmdateien um zusätzliche Daten wie Cover-Bilder oder Beschreibungen.


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