Firmen-Abwanderung kostete 70.000 Jobs und 1,26 Mrd. Abgaben

Von 2008 bis 2012 gingen 70.000 Arbeitsplätze durch Firmen-Absiedlungen verloren. Dadurch entstand eine Minderung der potentiellen Kaufkraft von 1,45 Mrd. Euro.

Wien - Das Finanzministerium sorgt sich um Einnahmenausfälle aus der Abwanderung von Konzernen und Unternehmen aus Österreich. Zwischen 2008 und 2012 habe sich aus der Absiedlung aus Österreich ein Steuerausfall von 1,26 Mrd. Euro ergeben, 70.000 Arbeitsplätze seien verloren gegangen, so die Experten des Ministeriums in einer Studie, über die die „Kronen-Zeitung“ (Sonntagsausgabe) berichtet. Die Ministeriumsexperten warnen vor mangelnder Rechtssicherheit im Steuerrecht angesichts von Forderungen nach Abschaffung der Gruppenbesteuerung und Erhöhung von Unternehmenssteuern.

Berechnet wurde von den Experten des Ministeriums der Effekt durch die Abwanderung von Headquarters, Konzernen, Produktionsstätten und KMU (Heineken, Nespresso, TRW Salzburg, ThyssenKrupp, Novartis, IBM, Nokia, etc.). Demnach verlor der Staat durch den Entgang der Körperschaftsteuer (KöSt) rund 109 Mio. Euro, durch entgangene Lohnsteuer rund 350 Mio. Euro, durch entgangene Kommunalsteuer (KommSt) rund 62 Mio. Euro, durch entgangene Sozialversicherung rund 291 Mio. Euro (Dienstnehmerseite) sowie rund 354 Mio. Euro (Dienstgeberseite) und durch entgangenen FLAF-Beitrag rund 94 Mio. Euro. In Summe macht das 1,26 Mrd. Euro Abgabenvolumen.

Weiters entstehe durch den Verlust von rund 70.000 Arbeitsplätzen eine Minderung potenzieller Kaufkraft in Höhe von 1,45 Mrd. Euro. Der Entgang von Konsumsteuern wie Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer etc. könne nicht beziffert werden.

„Abschließend muss festgehalten werden, dass es mangels Planungs-und Rechtssicherheit im Steuerrecht (neue Substanzbesteuerung, Steuern auf Betriebsvermögen, Abschaffung der Gruppenbesteuerung, Erhöhung von Unternehmenssteuern, etc.) zu weiteren Abwanderungen kommen kann. Die gänzlichen Auswirkungen der laufenden, politischen Debatte betreffend Veränderungen im Steuerrecht sind derzeit hinsichtlich des Abgabenvolumens noch nicht absehbar“, heißt es in der vom Finanzministerium auf Anfrage der APA übermittelten Expertise.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

ÖVP warnt vor Gefahr für Wirtschaftsstandort

In Reaktionen auf die Expertise des Finanzministeriums warnen ÖVP-Vertreter in Aussendungen vor einer Gefahr für den Wirtschaftsstandort Österreich durch die Steuerpläne der SPÖ.

„Dem Staat entgingen dadurch Steuereinnahmen in Höhe von 1,26 Milliarden Euro. Damit ist schwarz auf weiß belegt, was Faymann-Steuern anrichten können!“, meint ÖVP-Finanzsprecher Günter Stummvoll. Durch neue Steuern würden Betriebe ins billigere Ausland abwandern. Die ÖVP trete gegen neue Steuern ein und wolle den Mittelstand und Familien entlasten.

Für den Generalsekretär des ÖVP-Wirtschaftsbunds, Peter Haubner, sind die Berechnungen des Finanzministeriums ein „deutliches Alarmsignal“. Es sei wirtschaftspolitisch nicht zu verantworten, in einer angespannten Situation mit neuen Steuern zu drohen, so der ÖVP-Abgeordnete. „Damit wird ein Klima der Unsicherheit für Unternehmer in Österreich geschaffen.“ Gerade die KMU bekommen das zu spüren. „Damit schädigt die SPÖ das Rückgrat unseres Landes.“ (APA)


Kommentieren


Schlagworte