Carlos Slim lässt sich deutsche E-Plus abkaufen

Nachdem Telefonica Deutschland sein Angebot aufgestockt hat, gab der mexikanische Großaktionär nach. Bei der Hauptversammlung soll grünes Licht für den Verkauf des Mobilfunkanbieters gegeben werden.

Multimilliardär Carlos Slim.
© REUTERS

Berlin – Der deutsche Mobilfunkanbieter o2 nimmt eine große Hürde auf dem Weg zur Milliarden-Übernahme des Rivalen E-Plus. Der o2-Mutterkonzern Telefonica erhöht das Angebot für E-Plus um knapp eine halbe Milliarde Euro auf 8,6 Mrd. Euro und holt damit den widerspenstigen Telekommunikations-Mogul Carlos Slim ins Boot.

Der Mexikaner ist mit seinem Konzern America Movil größter Aktionär des E-Plus-Mutterkonzern KPN. Er wolle nun seine Zustimmung zu dem Deal geben, teilten KPN und Telefonica am Montag mit. Bisher hatte er sich dagegen gesperrt, weil ihm der Preis zu niedrig war. Der 73-Jährige führt die „Forbes“-Liste der Superreichen mit einem Vermögen von 73 Mrd. Dollar an.

Slim hält rund ein Viertel an der teilstaatlichen börsenotierten Telekom Austria. Obwohl er ohne Zustimmung des Wirtschaftsministerium das Unternehmen nicht kaufen kann, hatte es zuletzt Gerüchte gegeben, Slim könnte nach gewonnener Schlacht in Deutschland in Österreich zuschlagen.

„Als Ergebnis des verbesserten Angebots hat America Movil sich unwiderruflich verpflichtet, auf der außerordentlichen Hauptversammlung von KPN für den geplanten Verkauf von E-Plus zu stimmen“, erklärten die Konzerne. Anleger reagierten erleichtert: Die Titel von o2 und KPN schnellten um drei Prozent nach oben. In trockenen Tüchern ist die angestrebte Ehe der Nummer drei und vier auf dem deutschen Mobilfunkmarkt damit aber noch nicht: Die Zustimmung der Kartellbehörden steht weiter aus.

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Vereinbart wurde nun, dass KPN 20,5 Prozent statt wie bisher geplant 17,6 Prozent an der fusionierten o2/E-Plus hält. Dieses zusätzliche Aktienpaket von knapp drei Prozent kann Telefonica ein Jahr später zu einem Preis von 510 Mio. Euro zurückkaufen. Die Entscheidung, ob das tatsächlich passiert, wird in Madrid getroffen. Das restliche Aktienpaket wird von KPN mit 3,1 Mrd. Euro bewertet. Daneben erhalten die Niederländer fünf Mrd. Euro in bar für die deutsche Tochter.

Slims Pläne gehen noch weiter: Der Mexikaner hält knapp 30 Prozent an KPN und will auch den Rest der Firma schlucken. Dafür schnürt er derzeit ein gut sieben Mrd. Euro schweres Angebot. Deshalb liegt ihm so viel daran, für den KPN-Goldesel E-Plus einen möglichst hohen Preis herauszuschlagen. Hinter dem Zank um E-Plus verbirgt sich noch ein anderer Konflikt. America Movil und der hoch verschuldete spanische Telekom-Riese Telefonica sind in vielen Ländern Lateinamerikas Rivalen und kämpfen dort mit harten Bandagen um die Vorherrschaft. Zusammen kontrollieren die Kontrahenten 60 Prozent des dortigen Mobilfunkmarkts. Jeder Euro, den Telefonica in Deutschland mehr ausgeben muss, fehlt dem Konzern im Kampf gegen Slim in Südamerika.

Nächster wichtiger Termin in der Saga ist nun der 2. Oktober. An dem Tag stimmen die KPN-Aktionäre über den E-Plus-Verkauf ab. Offen ist die Frage, ob die Kartellprüfung in Deutschland stattfindet oder bei der EU landet. Aufgrund der Größe des Zusammenschlusses werde Telefonica den Deal bei der Kommission in Brüssel anmelden, sagte eine Telefonica-Sprecherin in München. Dies solle bis Ende September passieren.

Gleichzeitig reklamiert auch das deutsche Bundeskartellamt den Fall für sich. „Sollte Telefonica Deutschland den Zusammenschluss mit E-Plus anmelden, gehört der Fall aus unserer Sicht eindeutig nach Bonn“, sagte Behördenchef Andreas Mundt vergangene Woche. Andere EU-Länder könnten keine Blaupause für dieses Fusionskontrollverfahren liefern. Es komme allein auf die Marktverhältnisse in Deutschland an. Möglich ist das - denn die Behörde kann bei der EU beantragen, die Prüfung an sich zu ziehen.

In Österreich ist es heuer zu einer Marktbereinigung gekommen - der drittgrößte Anbieter Orange wurde vom Verfolger „Drei“ (Hutchison, „3“) übernommen. Nun gibt es nur noch drei Netzbetreiber in der Alpenrepublik. Wettbewerbshüter hatten im Vorfeld Bedenken angemeldet, letztlich aber dem Deal doch zugestimmt. (APA/Reuters)


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