Zweiter Anlauf für Skigebiet Raaz

Am Dienstag fand eine erste Begehung auf der Alpe statt. Berwanger Hoteliers hoffen auf Aufschwung.

Von Helmut Mittermayr

Berwang, Reutte –Berwang hat ein Problem. Rückgang lautet das Schlagwort, mit dem die Gemeinde zu kämpfen hat. Die Wohnbevölkerung sank von 641 im Jahr 2000 auf 585 (2012). Minus 16 Prozent. Allein in Rinnen sind zwölf von 42 Häusern ausgesiedelt. Aber auch die touristische Auslastung, das einzige wirtschaftliche Standbein des Bergdorfes, hinkt seit Längerem. Gab es vor 15 Jahren noch 320.000 Nächtigungen im Jahr, so wurden in der vergangenen Saison 245.000 gezählt. Der enorme Rückgang beträgt 24,5 Prozent. Gustl Zobl, der Berwanger TVB-Ortssprecher, rechnet vor, dass das ein jährliches Umsatzminus von sieben bis zehn Mio. Euro bedeutet.

„Wir müssen einfach etwas tun, das Gebiet wieder interessanter machen, es muss wieder investiert werden“, sagt der Chef des Hotels Thaneller in Rinnen. Mit seinem ständig wachsenden Haus hat er keine wirtschaftlichen Probleme, ganz im Gegenteil. Ihn sorgt die Entwicklung im Dorf, die langfristig natürlich Grundlage für die gesamte Entwicklung sei. Gleich denkt Günther Singer, der den Berwanger Fremdenverkehr seit Jahrzehnten mit dem Sporthotel Singer entscheidend geprägt hat. Fast neidisch blicken die Berwanger innerhalb ihres Verbandes Tiroler Zugspitz Arena nach Lermoos und Ehrwald, wo seit Jahren kräftig in neue Infrastruktur investiert und gebaut wird. Jetzt soll sich auch in Berwang wieder etwas tun.

Die beiden Touristiker haben eine Idee erneut aufgegriffen, die schon vor zehn Jahren intensiv im Ort diskutiert und nach Widerständen des Naturschutzes verworfen werden musste – die Erweiterung des Berwang/Rinner Skigebietes in Richtung Raazalpe. Grundbesitzer der Hochalpe ist die Gemeinde Reutte, Nutzungsberechtigter ist die Agrargemeinschaft Reutte.

Am Dienstag fand eine erste Begehung der möglichen Trasse mit den beiden Berwanger Ideengebern, Reuttes Bürgermeister Alois Oberer und Agrargemeinschaftsvertretern statt. Marktchef Oberer zeigte sich interessiert, will sich nicht festlegen und das Projekt, wenn es ausgegoren ist, dem Gemeinderat vorlegen. Dazu Reuttes Agrarobmann Thomas Storf: „Wir sind vollkommen ergebnisoffen und schauen uns die Entwicklung einmal an. Schlussendlich wird die Gemeinschaft darüber entscheiden.“ Storf macht auch klar, dass das Verhalten der Agrar mit der Gemeinde Reutte akkordiert und mit einer Stimme gesprochen werde. Vor zehn Jahren hatte der Reuttener Gemeinderat schon einmal das Seilbahnprojekt zur Raaz auf der Tagesordnung und mit großer Mehrheit zugestimmt.

Details wollen sich Zobl und Singer nicht entlocken lassen. Gerade Günther Singer ist hinsichtlich jeglicher Veröffentlichung skeptisch. Zu negativ seien die Erfahrungen des letzten Anlaufs gewesen. Nur so viel will er sagen: „Ja, es gibt ein Projekt. Das steckt erst in den Anfängen. Und es geht definitiv nicht um die Erschließung eines neuen Skigebietes, sondern die Erweiterung des bestehenden.“


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