Öffentliche Hand zahlt am spätesten

Die Zahlungsmoral in Österreich bleibt relativ hoch. Private zahlen Rechnungen am schnellsten, die öffentliche Hand am langsamsten.

Wien, Innsbruck –Trotz der flauen Wirtschaftskonjunktur hat die Zahlungsmoral in Österreich nicht gelitten und bleibt relativ hoch, geht aus einer Umfrage des Kreditschutzverbands unter bundesweit 2500 Firmen hervor. Fast drei Viertel der Firmen zahlen demnach ihre Rechnungen innerhalb des Zahlungsziels von 25 Tagen, während der durchschnittliche Zahlungsverzug sechs Tage beträgt.

Im Schnitt begleichen die Unternehmen ihre offenen Rechnungen nach 31 Tagen, genauso schnell wie im Vorjahr. Während Privatpersonen unverändert zum Vorjahr ihre Rechnungen nach 18 Tagen begleichen, lässt sich die öffentliche Hand mit durchschnittlich 41 Tagen (2012: 42 Tage) am längsten Zeit. Als häufigste Gründe für den Zahlungsverzug bei den Firmenkunden wird ein momentaner Liquiditätsengpass vor Vorsatz und Ineffizienz der Verwaltung vermutet.

Bei der Zahlungsmoral der öffentlichen Hand (bei der aber nicht zwischen Gemeinden, Ländern und Bund unterschieden wird) gibt es ein deutliches Ost-West-Gefälle: Während in Vorarlberg die Rechnungen im Schnitt nach 32 Tagen am schnellsten bezahlt werden (Tirol liegt mit 37 Tagen an dritter Stelle), lassen sich Wien und die Steiermark mit 44 Tagen am meisten Zeit, gefolgt vom Burgenland und Niederösterreich mit 43 Tagen.

Die öffentliche Hand sei ein wichtiger Auftraggeber für die Wirtschaft, erklärt Kreditschutzverband-Vorstand Johannes Nejedlik. Ihr aber den „schwarzen Peter“ für Großinsolvenzen wie etwa jene der Alpine zuzuschieben, sei bei rund 10.000 Gläubigern zu kurz gegriffen. Von der in Österreich umgesetzten Vorgabe der EU-Zahlungsverzugsrichtlinie, die seit März für die öffentliche Hand (exklusive Gesundheitswesen) ein Zahlungsziel von 30 Tagen vorsieht, ist man aber noch immer weit entfernt.

Kommt es zu einer Forderungseintreibung, dann betrage der durchschnittliche Rechnungsbetrag rund 2000 Euro, der von Unternehmen gefordert werde, und knapp 400 Euro bei Privatkunden. Zahlen für Forderungen gegen die öffentliche Hand gebe es nicht. (TT, APA)


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