Grausige Gamsjagd: Polizei ermittelt bereits seit Mitte August

Eine brutale Gamsjagd, die gestern durch ein Youtube Video für öffentliche Empörung sorgte, ist bereits seit Mitte August Gegenstand von Ermittlungen wegen Tierquälerei.

Von Silvana Resch

Innsbruck, Leutasch – Gestern sorgte die Veröffentlichung eines bizarren Youtube-Videos über eine grausame Gamsjagd in der Leutasch für Empörung. Der Vorfall, der sich am 15. August ereignete, wurde aber bereits tags darauf von einer deutschen Urlauberin bei der Polizei in Seefeld angezeigt. Die Frau war über das Verhalten eines Jägers entsetzt, der eine durch einen Schuss verletzte Gams minutenlang über scharfkantiges Geröll schleifte, ehe ein zweiter Mann den Bock mit einem Messer erlegte.

Staatsanwaltschaft ermittelt

„Die Ermittlungen wegen Verdachtes der Tierquälerei sind bereits anhängig“, sagt Staatsanwalt Hansjörg Mayr. Das Vergehen der Tierquälerei werde mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen geahndet. Das Verfahren richte sich vorerst noch gegen Unbekannt, bei dem Verdächtigen dürfte es sich allerdings um einen russischen Jagdgast handeln. „Seine Identität wird derzeit erhoben“, so Mayr.

Beim Tiroler Jägerverband wurde indes gegen zwei seiner Mitglieder ein disziplinarrechtliches Verfahren eingeleitet. „Ich habe den Fall heute morgen mit unserem Disziplinaranwalt besprochen, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann ich dazu keine weiteren Auskünfte mehr geben“, so Landesjägermeister Anton Larcher.

Bei einem der beiden von dem Verfahren betroffenen Männer handelt es sich um den Jagdpächter in der Leutasch. Bei dem mutmaßlichen russischen Schützen seien dem Landesjägermeister formell die Hände gebunden, da der Mann kein Verbandsmitglied sei.

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„Laut Auskunft des Jagdpächters handelt es sich um einen Russen, der in Besitz einer Jagdkarte gewesen sein soll“, so Larcher, dies werde aber genau überprüft. Auch ob der Abschuss der Gams, der am 15. August erfolgte, bei der zuständigen Behörde innerhalb der vorgeschriebenen Zehn-Tages-Frist gemeldet wurde, werde im Zuge des Verfahrens ermittelt.

Gamsbock zu jung für Abschuss?

Doch noch weitere Fragen, die den Fall zusätzlich verschärfen, gilt es zu klären. Das Tier erscheint erfahrenen Jägern auf den Videoaufnahmen noch nicht alt genug für einen Abschuss zu sein. Ein Eindruck, den auch der Landesjägermeister teilt: „Als ich das Video gesehen habe, kam mir der Bock zu jung vor, der Jagdpächter gibt aber an, dass das Tier bereits neun Jahre alt war, d.h. für einen Abschuss alt genug“. Im Rahmen der Trophäenschau soll nun auch dieser Vorwurf geklärt werden.

Beim Tiroler Jagdverband werde nun ein dreiköpfiger Ausschuss das Disziplinarverfahren gegen seine beiden Mitglieder, die den Jagdgast nicht von seiner Tierquälerei abhielten, abwickeln. Den beiden droht ein Verweis oder ein strenger Verweis. „Das geht bis hin zum Entzug der Jagdkarte und Veröffentlichung der Namen in unserer Verbandszeitung“, so Larcher. Die Identität der weiteren bei der Jagd anwesenden Männer soll ausgeforscht werden, auch die Staatsanwaltschaft ermittelt diesbezüglich.


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