Serie von Bombenanschlägen in Bagdad forderte Dutzende Tote

Laut Polizei sollen mindestens 70 Menschen getötet worden sein. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt.

Bagdad - Bei einer Serie von Autobombenanschlägen im Großraum Bagdad sind nach Angaben von Polizisten und Ärzten mindestens 70 Menschen getötet worden. Die meisten der mehr als ein Dutzend Explosionen am Mittwoch in der Früh ereigneten sich in Gegenden der irakischen Hauptstadt, die mehrheitlich von Schiiten bewohnt werden. Zu den Taten bekannte sich zunächst niemand. Sunnitische Extremisten mit Verbindungen zum Al-Kaida-Netzwerk verüben häufig Anschläge auf Schiiten, die sie als Abtrünnige sehen.

Mehr als 200 Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt. Bei einem Doppelanschlag im Viertel Jisr al-Diyala gab es allein sieben Tote und 21 Verletzte. Von einem mit Sprengstoff präparierten Auto im Stadtteil Jadidah blieb nur ein Trümmerhaufen übrig. Vier Menschen wurden getötet, andere Autos sowie Geschäftsfassaden schwer beschädigt. Bis auf eine Bombe, die ein Selbstmordattentäter in einem Restaurant in dem Vorort Al-Mahmoudiya zündete, wurden alle anderen Bomben mit Fernzündern oder Zeitzündern ausgelöst.

Die Sicherheitslage im Irak hat sich im laufenden Jahr deutlich verschlechtert. Allein im Juli starben mehr als 1.000 Menschen bei Angriffen, so viele in einem Monat wie seit 2008 nicht mehr. Die tief verwurzelten religiösen Spannungen in dem Land werden 18 Monate nach dem Abzug der US-Truppen durch den Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien verschärft.

Beobachter sehen außerdem die Wut der sunnitischen Bevölkerungsminderheit auf die schiitisch dominierte Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki als einen der Hauptgründe für die zunehmende Gewalt. Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP starben seit Jahresbeginn bereits mehr als 3.700 Menschen bei Angriffen und Anschlägen. Die Sunniten werfen al-Maliki autoritäre Methoden und die Benachteiligung ihrer Glaubensgruppe vor. (APA/AFP/Reuters/dpa)


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