Ein Apfel im Fadenkreuz

Zwischen Tradition und Moderne: Tirols Armbrust-Schützen wollen sich bei der Heim-Europameisterschaft kommende Woche in Innsbruck als Trendsportler beweisen.

© Julia Hammerle

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck –Die Armbrust hat Geschichte. Kaiser Maximilian klemmte sie sich bereits unter den Arm, genauso wie die Tiroler Schützen, als sie noch gar nicht als solche bezeichnet wurden. Von der Tradition ist heute, 650 Jahre nach den Anfängen der Innsbrucker Hauptschießgesellschaft, bei den Sportschützen viel geblieben. Selbst wenn sie mit den antiken bogenähnlichen Waffen wenig anfangen könnten. Oder Herwig van Staa, Bundesoberschützenmeister und Präsident des ältesten Sportverbands Österreichs, den Unterschied zum Bund der Tiroler Schützenkompanien immer noch erwähnen muss.

So führen auch zwei junge Damen die rotweißrote Delegation für die Heim-Europameisterschaften ab kommendem Mittwoch in Innsbruck an. Beide 26 Jahre alt, beide von der Schützengilde Angerberg und beide hoch dekoriert. Nicht mit Orden, sondern mit Medaillen. Die dreifache Weltmeisterin Franziska Peer hat drei EM-Titel zu verteidigen und Vizeweltmeisterin Sonja Strillinger möchte um nichts nachstehen. Zumal Strillinger selbst die EM-Medaillen mit dem das Goldene Dachl zeigenden Logo entworfen hat und auch das Veranstaltungsheft mit einem Wilhelm-Tell-Apfel samt Fadenkreuz.

Gold soll also nicht nur Innsbrucks Wahrzeichen glänzen, selbst wenn Peer sich vorsichtig zurückhält: „Ich weiß nicht. Es kommt so viel auf die Tagesverfassung drauf an.“ Trainer Markus Bichler, selbst auch EM-Teilnehmer schießt da schon schärfer. „Drei Medaillen sind das Ziel. Das ist ganz klar.“ Drei von vier möglichen Einzelsiegen also, die beim Match-Armbrustschießen die Disziplinen 10 m stehend und 30 m, aufgeteilt in stehend, kniend und Kombination, umfassen. Über 30 Meter, der offenen Klasse, müssen sich Peer und Strillinger sogar mit Männern messen, unter anderem also auch mit Trainer Bichler. „Das wird wieder schwer“, grinst der 34-Jährige, der schon bei den zuletzt ausgetragenen Tiroler und österreichischen Meisterschaften das Nachsehen hatte.

Gegen die internationale Konkurrenz, 180 Schützen aus 14 Nationen, wollen die insgesamt 23 Österreicher ihren Heimvorteil voll ausspielen. Im Bewerb Field auf dem für eine Woche reservierten Rasen im Tivolistadion, im Bewerb Match am Arzler Hauptschießstand. Dabei spielt der Wind eine entscheidende Rolle. „Wir haben heuer etxra dort die nationalen Meisterschaften ausgetragen, als letzten Test sozusagen“, erklärt Friedl Anrain, OK-Präsident und Landesschützenmeister. Die Anlage sei sehr windanfällig. „Über 30 m macht das schon was aus“, beschreibt auch Schützin Strillinger. Also, wünschen sich die rotweißroten Schützen viel Wind? „Nein, natürlich nicht“, lacht Strillinger. Bei unregelmäßigen Böen stehen schließlich auf einem Schießstand jedem die Haare zu Berge. „Es ist einfach schwierig, sich auf solche Unregelmäßigkeiten einzustellen“, beschreibt auch Margit Melmer, Bundessportleiterin Gewehr und Kleinkaliber.

Vor allem aber sollen die Fans das Entscheidende dazu beitragen. Toben, lärmen, schreien ist erlaubt, selbst in den Konzentrationsphasen. „Mich stört das nicht“, sagt Kindergartenpädagogin Peer, die auch sonst ohne Ohrenstöpsel loslegt. Im Gegensatz zu Strillinger, die lieber ihre Umgebung ausblendet, also etwa die Schweizer Fans, die bekannt dafür sind, mit Kuhglocken anzureisen.

Lautstarke Fans – das war nicht immer erwünscht. „Seit fünf, sechs Jahren ist dies erlaubt. Es geht ja auch darum, Jugendliche für den Sport zu begeistern, sich als eine Art Trendsportart zu beweisen“, sagt Landesschützenmeister Andreas Hauser.

Traditionell bleibt die EM dennoch. Zur Eröffnung am Dienstag gibt’s einen Festumzug aller Teilnehmer vom Landestheater bis zum Goldenen Dachl und dort einen landesüblichen Empfang – mit Schützen versteht sich.


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