Protein bestimmt die Vergesslichkeit im Alter

Nimmt ein gewisses Protein im Gehirn ab, lässt das Gedächtnis nach. Bei Mäusen ist das umkehrbar.

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© Keystone

Wien –Hoffnung bei Altersvergesslichkeit: Der in Wien geborene Nobelpreisträger Eric Kandel (83) hat einen Eiweißstoff im Gehirn gefunden, der dafür sorgt, dass junge Leute ihre Schlüssel, Handys und Brillen nicht so oft suchen wie alte. Er und sein Team an der Columbia-Universität (USA) entdeckten, dass die Menge des Eiweißstoffs RbAp48 in einer für das Gedächtnis wichtigen Gehirnwindung mit dem Alter abnimmt. In Mausversuchen konnten die Forscher alten Tieren mit einer Extraportion dieses Proteins wieder zu jugendlicher Merkfähigkeit verhelfen, berichten sie im Fachmagazin Science Translational Medicine.

Die Forscher untersuchten die Gehirne von acht 33- bis 88-Jährigen, die ihre Körper posthum der Forschung gewidmet hatten. Sie fanden heraus, dass in einer für das Gedächtnis wichtigen Region (Gyrus dentatus) das Gen für RbAp48 bei alten Menschen weniger oft abgelesen wird, diese besaßen auch fast um die Hälfte weniger des Eiweißstoffs als junge Leute.

Um herauszufinden, ob das Protein tatsächlich die Merkfähigkeit beeinflusst, manipulierten die Forscher RbAp48 in Mäusegehirnen. Unterdrückten sie seine Aktivität bei jungen Tieren, schnitten diese bei Merktests ähnlich schwach ab wie alte Mäuse. Stoppten die Forscher die Hemmung von RbAp48, kehrte die gute Merkfähigkeit zurück. Im Gegensatz zur Alzheimer-Krankheit würden die Nervenzellen bei der altersbedingten Vergesslichkeit offensichtlich nicht permanent geschädigt. Mit diesen ermutigenden Ergebnissen könne man nach Therapiemöglichkeiten für Menschen suchen. Dies könnten neben Medikamenten und Nahrungszusätzen auch körperliche und geistige Übungen sein. (APA)

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