„Müssen Umsatzminus stoppen“

T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth setzt bei der Suche nach neuen Einnahmequellen auf schnelles mobiles Internet. Roaming ist für ihn ein Muss, sonst würden die Inlandspreise steigen.

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Wien, Innsbruck –Die Mobilfunkbranche hat schon bessere Zeiten gesehen. Seit 2005 sind die Umsätze von 3,67 Milliarden Euro auf zuletzt 2,79 Milliarden hinuntergerasselt. Das ist ein Minus von fast 25 Prozent, wie die „Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH“ (RTR) penibel – und für die Branche schmerzlich – vorrechnet.

Vor diesem Hintergrund liegt das erste und edelste Ziel der Anbieter auf der Hand. „Wir müssen den Umsatzverfall stoppen und wenn möglich in ein leichtes Wachstum überführen“, sagt Andreas Bierwirth, Chef von T-Mobile Austria, im Gespräch mit der TT. Sein Unternehmen habe vor wenigen Jahren noch einen Umsatz jenseits der Milliardengrenze geschrieben. Zwischenzeitlich sei er auf 800 Millionen gesunken.

Der Umsatzschwund ist auch eine Folge des erbitterten Wettbewerbs zwischen den Mobilfunkern in Österreich. Die Pakete wurden immer umfangreicher: 1000 Minuten, 1000 SMS, 1000 Megabyte und mehr; gleichzeitig erlebten die Paketpreise, freilich zur Freude der Konsumenten, einen Verfall.

„Das hatte zum Teil schon irrationale Züge“, sagt Bierwirth. Die Anbieter hätten investiert und sich gegenseitig Kunden abgeworben, „doch am Ende hatte wieder jeder in etwa den gleichen Marktanteil“. T-Mobile ist Nummer zwei in Österreich hinter A1 (siehe Kasten links).

Nachgerade zugeknöpft gibt sich Bierwirth beim Stichwort Frequenz-Auktion. „Wir haben einen Maulkorb von der Behörde erhalten“, gibt Bierwirth zu verstehen. Ein falsches Wort in der Öffentlichkeit könne bereits zu Komplikationen führen.

Im September – wann genau, wird erst unmittelbar vor dem Start bekannt gegeben – wird die RTR die bisher größte Versteigerung von Funkfrequenzen in Österreich abwickeln. 28 Frequenzblöcke sind zu haben. Das Mindestgebot wurde vom Regulator mit 526,5 Mio. festgelegt.

Die Frequenzen werden von den Mobilfunkbetreibern benötigt, um ihre Internetverbindungen schneller zu machen. Durch den neuen technischen Standard LTE (steht für Englisch „Long Term Evolution“) soll mobiles Surfen gegenüber Internet aus dem Festnetz in Sachen Speed um nichts mehr nachstehen.

LTE – dieses Zauberwort taucht in Bierwirths Vokabular häufig auf. Denn das Geschäft mit den Daten bedeutet für die Branche die Zukunft. Bierwirth: „Mobiles Telefonieren oder der Versand von SMS sind im Schrumpfen begriffen. Wachstum gibt es aufgrund der rasanten Verbreitung von Smartphones nur beim Datenvolumen.“ Hier steige die Nachfrage um 60 bis 100 Prozent – pro Jahr.

„Jeder Kunde wird mehrere Geräte besitzen, die auf das Netz zugreifen“, beschreibt Bierwirth die Zukunft, die ihm vorschwebt. Vom eigentlichen Handy, über das „Tablet fürs Sofa“, die Heizung und die Kaffeemaschine bis hin zum Blutdruckmesser – SIM-Karten würden in vielen Geräten stecken, die nach einem Netzzugang lechzen.

„Es geht also weniger darum, immer neue Kunden zu werben, sondern den bestehenden Kunden Pakete anzubieten, damit sie mit ihren Endgeräten ein schnelles Internet vorfinden“, beschreibt Bierwirth das kommende Geschäftsmodell. Je schneller eine Internetverbindung sei, desto mehr solle sie kosten.

Argwöhnisch blickt die Branche in Richtung Brüssel. Dort plant die EU-Kommission, das Roaming, also die Zusatzkosten für das Telefonieren und Surfen in Fremdnetzen im Ausland, abzuschaffen. Gerade im Tourismusland Österreich mit seinen Millionen Gästen würde für T-Mobile damit ein beträchtliches Stück der Einnahmen wegfallen, macht Bierwirth deutlich.

Er lässt keinen Zweifel daran, dass der Verlust von Roaming den „Preisdruck auf die österreichischen Kunden erhöhen“ würde. (mark, bea)


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