„Ethik und Gewissen müssen Grundlage sein“

Ernst Rudigier, stellvertretender Landesjägermeister und Buchautor, tritt für den Ausbau der Jagdpädagogik in der Ausbildung ein.

Jagdtrophäen sind nicht alles. Ernst Rudigier: „Die Jagd braucht Menschen mit Anstand und Gewissen.“Foto: Böhm
© thomas boehm

Innsbruck –Es muss wohl immer erst etwas passieren, damit etwas geschieht. So versucht Ernst Rudigier, stellvertretender Landesjägermeister, Buchautor und seit 50 Jahren auf der Pirsch, die „unvorstellbaren und ekelhaften“ Vorkommnisse bei einer Jagd in der Leutasch, die auf Video gebannt für Aufregung sorgten, in eine bessere Zukunft zu lenken. Man müsse die aktuelle Diskussion deshalb als Chance nutzen, um alte Strukturen aufzubrechen.

Noch immer fehlen Rudigier die Worte, wenn er sich an das Video erinnert. Er spricht von „Abscheu“ und dass solche Menschen in den Reihen der Jäger nichts verloren hätten. Und Rudigier spricht von Jagdethik, die das Verhalten der Jägerschaft als oberstes Gebot überwacht. „Da geht es um das Verhalten des Jägers, gegenüber seiner Umwelt, gegenüber einem Tier. Das ist die Grundlage, dass jeder mit Anstand seinem Gewissen folgt.“ Genau diese ethischen Grundsätze sollen für den erfahrenen Jäger vor allem „zeitgemäß und zukunftsweisend“ sein. „Dabei ist die Grundhöhe von Sitte und Moral unverändert.“

Rudigier tritt gemeinsam mit Landesjägermeister Toni Larcher auch für den Ausbau der Jagdpädagogik ein. „Damit bin ich nicht zufrieden. Das war auch schon vor diesem Vorfall so. Wir müssen die Ausbildung hier verändern“, sagt Rudigier, der dabei an jene für Berufsjäger, aber vor allem an jene für Jagdaufseher denkt. Hier wird derzeit ein Konzept erstellt, doch aktuell ist man in Tirol noch an das Jagdgesetz gebunden. Dieses schreibt nämlich vor, dass die Ausbildung zwei Wochen umfassen darf. Rudigier will sich bei einer allfälligen Jagdgesetznovelle keinem zeitlichen Rahmen mehr unterwerfen.

Es brauche in Zukunft nicht mehr Jäger, sondern mehr verantwortungsvolle Jäger. Rudigier weist auch auf einen „Werteverlust in der Gesellschaft hin, der auch vor der Jagd nicht Halt gemacht hat.“

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Was dem stellvertretenden Landesjägermeister ein Dorn im Auge ist: Jagdverpachtungen und die Kommerzialisierung. Auch dies seien Probleme, die schon vor dem Vorfall mit dem russischen Jagdgast in der Leutasch bekannt waren. „Von derartigen Vorkommnissen muss man sich in aller Deutlichkeit distanzieren.“ Für den Ablauf der Jagd sei in jedem Fall einzig das Jagdschutzorgan verantwortlich. (mw)


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