Ein Sheriff und die Dämonen von Boston

Von Peter Angerer...

Jeff Bridges und Ryan Reynolds als untote Polizisten am Terminal zwischen Erde und Jenseits in „R.I.P.D.“.Foto: UPI

Von Peter Angerer

Innsbruck –Für seinen wunderbaren letzten Roman „Der Flug des Ikarus“ griff Raymond Queneau 1968 zur allegorischen Figur des Fliegers, um die Wirrnisse der Ära darzustellen. Ikarus flüchtet aus einem Roman des Schriftstellers Hubert Lubert, um das richtige Leben kennen zu lernen. Er macht die Bekanntschaft des gefährlichen Absinth und später der freundlichen Dirne Helena, während der Romancier einen Detektiv beauftragt, den Entflohenen aufzuspüren. Ikarus wird zum Anführer einer Widerstandsbewegung, als die Helden anderer Romane seinem Beispiel folgen und ebenfalls die raue Wirklichkeit oder romantische Machwerke aufsuchen, womit Autoren nur selten eine Freude haben, wenn sich zwischen ihren zart gezeichneten Figuren plötzlich ein Berserker tummelt.

Diese Strategie der Aneignung fremder Figuren und Konzepte gehört längst zum Alltag in Hollywood, wenn es darum geht, den Erfolgspfad für einen Kassenschlager zu entwerfen. Da ist es zuerst einmal eine grandiose, fast subversive Idee, Jeff Bridges in der Maske des Rooster Cogburn aus „True Grit“ von Joel und Ethan Coen einzukaufen und ihn in die Szenerie von „Men in Black“ zu werfen. Als untoter Sheriff aus dem 19. Jahrhundert jagt Bridges in „R.I.P.D.“ verstorbene Menschen, denen es irgendwie gelungen ist, als Dämonen auf der Erde zu verweilen. Die Walhalla der Freaks befindet sich in Boston. Die Dämonen könnten demnächst unter der Anleitung des korrupten Polizisten Bobby Hayes, der für Menschen wie Kevin Bacon aussieht, als Dämon jedoch einen gespaltenen Schädel trägt, die Weltherrschaft übernehmen. Das ist ein Fall für „R.I.P.D.“, das für „Rest in Peace Department“ steht.

Am Ende beißt die lasziv­e Geschäftsführerin (Mary-Louise Parker) am Terminal zwischen Erde und Jenseits dem alten Sheriff in die Barthaare und sagt: „I love violence.“ Weil aber Boston in Schutt und Asche liegt, verurteilt sie ihn zu weiteren 53 Jahren Strafdienst im „R.I.P.D“. Der Westernveteran schnappt erst einmal nach Luft und brummelt: „This is a honkytonk bullshit!“ Besser lässt sich auch der Film nicht beschreiben.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Kommentieren


Schlagworte