Ein Milder darf sich wilder geben

Volkswagen ist Anfang dieses Jahres ins Rallye-Geschehen eingestiegen – und dominiert seither die WRC. Vom Renn-Polo gibt es mit dem R WRC eine leicht zivilisierte Version. Er leistet 220 PS, entwickelt satte 350 Newtonmeter maximales Drehmoment und ist auf 2500 Stück limitiert.

Der brave VW Polo mutiert in der Rallye-Homologations-Version zum ernstzunehmenden Golf-GTI-Jäger: R WRC im flotten Sport-Dress, mit 220 PS.Fotos: Hersteller
© Volkswagen

Von Beatrix Keckeis-Hiller

Es kommt nicht gar so häufig vor, dass man in einem VW Polo sitzt und des Polos wegen angestarrt, sogar um das eine oder andere Foto gebeten wird. Aber es kommt vor. Wenn man im R WRC unterwegs ist.

Der unterscheidet sich optisch von seinen Normalbrüdern nicht einmal so sehr durch die Wildheit der Kriegsbemalung. Das blau-graue Streifen-Design auf weißem Grund ist recht dezent gehalten. Doch durch sein auffallendes Styling anhand von dynamisch geschnittenen Front-Stoßfängern, Bi-Xenon-Scheinwerfern, einem Heck-Spoiler, 18-Zoll-Alus, bezogen mit 215er-Pneus, und blau lackierten Bremszangen hebt er sich stark vom gewohnten Polo-Bild ab – und zieht die Blicke auf sich.

Zumindest solange er, zum Beispiel an der roten Ampel, steht. Im freien Geläuf zieht er Blicke wohl eher nach sich. Denn das auf 2500 Exemplare limitierte Homologations-Modell für die WRC-Version des Polo ist im freien Geläuf nicht lange zu sehen. 220 PS ab 4500 Umdrehungen und 350 Newtonmeter Maximal-Drehmoment ab 2500 Touren aus zwei Litern Hubraum bei einem Gewicht von ab 1324 Kilo machen aus ihm ein Kraftpaket, das den Null-auf-100-Sprint in 6,4 Sekunden erledigt. Dazu kommt ein perfekt abgestuftes, kurzwegiges und knackiges Sechsgang-Getriebe, Top-Traktion an den angetriebenen (Vorder-)Rädern und superbe Kurvenfreudigkeit sowie ein hartes, aber gerechtes Sportfahrwerk. Damit macht der Polo R WRC auch seinem größeren Bruder Golf GTI das Entkommen sehr schwer: Der wiegt bei gleicher Motorisierung etwa 80 Kilo mehr und kann eigentlich nur noch durch die drei km/h höhere Endgeschwindigkeit punkten, nämlich 246 statt 243 km/h.

Zu den genannten Fahrspaß- und -freude-Zutaten gehört eine entsprechende Innenausstattung: unter anderem Sportsitze, mit Alcantara bezogenes – supergriffiges – Multifunktionslenkrad, schwarzer Dachhimmel und Pedale in Alu-Optik. Technisch gehören beim Sonder-Zweitürer Tempomat, Klimaautomatik, abgedunkelte Fond-Scheiben und ein Radio-Navigationssystem mit USB-/MP3-Schnittstelle dazu.

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Besondere Aufmerksamkeit erregte die wilde Version des an sich ja milden Volkswagen-Kleinwagens im nahen Umfeld des neunten Laufs der Rallye-WM von 22. bis 25. August rund um die schöne Stadt Trier in Rheinland-Pfalz. Dort, im Nahbereich von Luxemburg und Frankreich, gingen in den Weinbergen an der Mosel und auf dem örtlichen Truppenübungsgelände, genannt Panzerplatte, die Verbindungsetappen und die Sonderprüfungen in Szene. Unter hoher Erwartungshaltung der Volkswagen-Motorsportabteilung: War man doch heuer erstmals in die Rallye-WM eingestiegen, mit dem Polo WRC (World Rallye Car, mit 1,6 Litern Hubraum und 350 PS Leistung). Der Lauf im Heimatland hätte ein Heimspiel werden sollen, zumal Star-Pilot Sébastien Ogier mit Co-Pilot Julien Ingrassia auf Führungsposition rangierend gestartet waren. Aber sowohl das Spitzen-Duo als auch das zweite Team, Jari-Matti Latvala mit Anttila Miika, fielen aus. Team Nummer drei konnte gar nicht an den Start fahren, weil Andreas Mikkelsens Beifahrer Mikko Markkula verletzungsbedingt pausieren muss (inzwischen wird er von Paul Nagle vertreten).

Zur Beruhigung, vorerst: Ogier blieb dennoch mit 184 Punkten in Führung (mit 75 Zählern Vorsprung) und in der Hersteller-Wertung liegt VW nach wie vor vorne, mit 262 Punkten (Nr. 2: 236).

Der VW Polo R WRC kostet ab 35.990 Euro. Er ist seit April dieses Jahres bestellbar. Die Auslieferung startet jetzt, ab September. Sie erfolgt nach Maßgabe der Bestell-Nummer. Jedes Exemplar ist nummeriert, siehe Limitierung. Eine Begrenzung gilt auch fürs Verbreitungsgebiet: Es ist ausschließlich Europa, im kontinentalen Sinn, denn es gibt ihn nur als Linkslenker.

Per Rabiat-Polo zum nächsten Durchgang der WRC zu fahren, um Ogier & Co. direkt an der Strecke die Daumen zu drücken, dürfte allerdings ziemlich schwierig werden: Der Rallye-WM-Zirkus macht von 12. bis 15. September weit weg, nämlich in Australien, Station. Die drei letzten WRC-Läufe sind dann einfacher zu erreichen: Frankreich (3. – 6. 10.), Spanien (24. – 27. 10.), England (14. – 17. 11.).


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