Zahlreiche Tote bei Angriff auf Flüchtlingslager im Irak

Die irakischen Behörden weisen den „Massaker“-Vorwurf iranischer Exilanten zurück.

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Bagdad/Teheran - Bei Auseinandersetzungen im irakischen Flüchtlingslager Camp Ashraf sind nach Angaben der dort lebenden iranischen Exilanten 47 Menschen getötet worden. Die irakischen Behörden wiesen nach dem Vorfall vom Sonntag den Vorwurf eines Militärangriffs jedoch zurück. Die UNO äußerte sich besorgt über das Geschehen in dem Lager nordöstlich von Bagdad und kündigte eine eigene Untersuchung an.

Die irakische Armee habe im Camp Ashraf ein „Massaker“ angerichtet und Feuer gelegt, erklärte der Sprecher Volksmujaheddin, Shahriar Kia. 47 Mitglieder der iranischen Exil-Oppositionsgruppe wurden demnach getötet. Außerdem seien zahlreiche weitere Bewohner schwer verletzt oder als Geiseln genommen worden. Nach Angaben der Volksmujaheddin wurde der Armeeangriff vom irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki angeordnet.

Auch der Nationale Widerstandsrat des Iran, dessen wichtigstes Mitglied die Volksmujaheddin sind, verurteilte die Gewalt. Seine Vorsitzende Maryam Radjavi erklärte in Paris, die UNO müsse Blauhelmsoldaten schicken, um die Sicherheit der Bewohner von Camp Aschraf zu garantieren.

Der für das Lager in der Provinz Dijala zuständige Behördenvertreter Haki al-Sharifi betonte dagegen, es habe „keinen Angriff von außen auf das Camp“ gegeben. „Kein einziger Soldat“ sei eingedrungen. Vielmehr sei anscheinend ein Öl- oder Gastank explodiert.

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Aus der Polizei verlautete hingegen, auf Camp Ashraf seien fünf Mörsergranaten niedergegangen. Daraufhin hätten aufgebrachte Lagerbewohner die Soldaten, die das Camp bewachen, angegriffen. Bei den folgenden Schusswechseln hätten sie zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Ein Vertreter des Krankenhauses im nahe gelegenen Baakuba bestätigte die Angaben zu den Opfern in der Armee. Verletzte oder getötete Campbewohner seien hingegen nicht eingeliefert worden.

Ein Regierungsvertreter sagte wiederum unter Berufung auf die Sicherheitskräfte vor Ort, dass in dem Camp Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen innerhalb der Volksmujaheddin ausgebrochen seien.

Gyorgy Busztin von der UNO-Vertretung im Irak verurteilte die Gewalt und forderte die irakischen Behörden auf, die Vorwürfe aufzuklären, den Verletzten schnellstmöglich medizinische Hilfe zukommen zu lassen und die Sicherheit in dem Lager wiederherzustellen. Die UNO werde die Vorwürfe auch selbst untersuchen, erklärte Busztin.

In Camp Ashraf nahe der iranischen Grenze leben noch etwa hundert Mitglieder der Volksmujaheddin. Fast 3.000 weitere Bewohner wurden 2012 ins Camp Liberty verlegt. Die Volksmujaheddin werfen den irakischen Behörden vor, sie wollten die Bewohner von Camp Ashraf vertreiben. Seit zwei Wochen sei die Wasser- und Stromversorgung dort unterbrochen.

Im Februar waren bei einem Granaten- und Raketenangriff auf Camp Liberty nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad mindestens acht Menschen getötet worden. Bereits seit dem iranisch-irakischen Krieg von 1980 bis 1988 halten sich große Gruppen iranischer Flüchtlinge im Irak auf. Sie wurden von dem damaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein dabei unterstützt, Angriffe auf das Nachbarland vorzubereiten.

Die UNO sucht seit Jahren nach einer neuen Bleibe für die iranischen Flüchtlinge. Im Juni nahm Albanien 71 von ihnen auf, Deutschland sagte die Aufnahme von hundert Iranern aus dem Irak zu. (APA/AFP)


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