Niemetz wird alle Gläubiger zu 100 Prozent ausbezahlen

Die zum Meinl-Imperium gehörende Schokofirma Heidi Chocolat kaufte Niemetz für rund sechs Millionen Euro.

Die Schwedenbombemfirma Niemetz rutschte im Februar 2013 in die Insolvenz.
© APA

Wien - Die Gläubiger des insolventen Schwedenbombenherstellers Niemetz können aufatmen. Dank des Aufkaufs des Wiener Traditionsbetriebs durch den rumänischen Schokoproduzenten Heidi Chocolat im Mai fallen sie um keinen Cent um. In den nächsten Monaten wird ihnen der Masseverwalter 100 Prozent ihrer Forderungen ausbezahlen, teilte der Kreditschutzverband KSV 1870 der APA am Montag mit.

„Das bedeutet, dass es für die Anmeldungen, die anerkannt wurden, keinen Ausfall geben wird und die Gläubiger durch den Konkurs keinen Ausfall ihrer Forderungen erleiden werden“, so die Kreditschützer.

Im Verfahren lägen nun die Beendigungsansprüche der Arbeitnehmer vor. Daher könne der Masseverwalter im nächsten Schritt den Betrag, der auf dem Massekonto liegt, ausbezahlen. Der KSV rechnet mit einer Ausbezahlung der Quote in den nächsten Monaten.

Die Schwedenbombemfirma Niemetz rutschte im Februar in die Insolvenz, nachdem das Unternehmen monatelang ums finanzielle Überleben gekämpft hatte. Es kam zu einer beispiellosen Solidaritätswelle, regelrechten Schwedenbombem-Hamsterkäufen. Die Sanierung des Unternehmens scheiterte trotzdem, da bis Mai nicht die erforderlichen 4,2 Mio. Euro zusammenkamen. Schließlich trat Heidi Chocolat auf. Die zum Meinl-Imperium gehörende Schokofirma kaufte Niemetz für rund sechs Mio. Euro.

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Sanierungsverfahren soll noch heuer beendet werden

Dass Gläubiger einer insolventen Firma ihr ganzes Geld wiedersehen, kommt extrem selten vor, sagte KSV-Experte Roman Tahbaz am Montag zur APA. „Bei Niemetz hatte man das Glück, dass man das Unternehmen verkaufen konnte.“ Der Meinl-Schokoladenhersteller Heidi Chocolat legte für Niemetz im Mai 6 Mio. Euro auf den Tisch - genug Geld, um die mehr als 4 Mio. Euro an angemeldeten Forderungen bedienen zu können.

50 Prozent bzw. 2,1 Mio. Euro seien vor kurzem schon ausbezahlt worden, so Tahbaz. Eine derartige „Zwischenverteilung“ gebe es nicht sehr häufig. Nun, nachdem zum Schluss auch noch die Beendigungsansprüche der Arbeitnehmer (zum Beispiel Teilurlaubsgeld) festgestellt wurden, kommt noch einmal ungefähr derselbe Betrag hinzu. Tahbaz glaubt, dass es auch etwas mehr als 2,1 Mio. Euro werden könnten. Aber „die 100-Prozent-Quote wird sich auf jeden Fall ausgehen“.

„Höchstwahrscheinlich“ bekommen Arbeitnehmer, Lieferanten und Banken ihr Geld noch heuer, sodass das Sanierungsverfahren vor Jahresende beendet werden kann, erwartet der Kreditschützer.

Ursprünglich war den Gläubigern lediglich eine Quote von 20 Prozent in Aussicht gestellt worden, dann war von 50 Prozent die Rede. Mit dem Scheitern der Sanierung und der anschließenden Übernahme durch Heidi Chocolat wendete sich das Blatt. Schwedenbomben sind heuer gefragter als die Jahre zuvor. Diesen Sommer produzierte der Wiener Traditionsbetrieb erstmals in seiner Geschichte durch und stellte 20 neue Mitarbeiter ein. (APA)


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