Weil jede Cent-Münze zählt

Zwei statt 1,98 Euro: Seit dieser Woche läuft in vielen Geschäften Österreichs die Aktion „Aufrunden, bitte!“. Wer beim Bezahlen den Centbetrag bis zur nächsten 10-Cent-Grenze aufrundet, spendet für ein soziales Projekt. Die Idee ist nicht neu.

Von Miriam Hotter

Wer kennt das nicht: Die Geldtasche quillt vor lauter Kupfermünzen über. Da werden auch schlechtbestückte Portemonnaies dick und schwer. Weil viele Menschen Ein- und Zwei-Cent-Stücke lästig finden, landen diese oft in Schubladen und kleinen Schachteln.

Seit Montag gibt es einen anderen Weg, das Kupfergeld loszuwerden. Wer vor dem Bezahlen „Aufrunden, bitte!“ sagt, spart sich „überflüssiges“ Geld und tut damit auch noch Gutes – so sagt es zumindest die REWE Group, die die österreichweite Spendenaktion ins Leben gerufen hat. „Wir wollen mit Kleinem Großes bewirken“, erklärt Pressesprecherin Ines Schurin.

Kauf dir das gute Gefühl. Die Idee, Konsum und soziales Engagement zu verbinden, feierte vor knapp 30 Jahren in den USA einen ersten Erfolg. Damals konnte das Kreditkartenunternehmen American Express Millionen von Neukunden mit dem Versprechen gewinnen, für jeden Kreditkarteneinsatz einen Cent für die Restaurierung der New Yorker Freiheitsstatue zu spenden.

Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen. Die Brauerei Krombacher startete mit ihrer Regenwald-Initiative die erste große deutsche Kampagne. Wer eine Kiste Bier kaufte, rettete einen Quadratmeter Tropenbäume. Die Aktion sorgte vor zehn Jahren für Aufsehen: Der Vorwurf der „Irre­führung des Verbrauchers“ sowie wegen Ausübung eines „moralischen Kaufzwangs“ beschäftigte sogar den Bundesgerichtshof.

Solche „Pannen“ bleiben aber die Ausnahme. Die Initiative „Pennies Foundation“ in Großbritannien, die ähnlich wie die „Aufrunden, bitte!“-Aktion funktioniert, war ein voller Erfolg. Genauso wie die deutsche Version „Deutschland rundet auf“.

Das weiß auch Schurin. „Wir haben uns die Initiativen angeschaut und haben gesehen, dass sie sehr erfolgreich sind.“ Die Initiatoren des deutschen Projekts etwa geben auf ihrer Homepage an, seit März 2012 bereits 1,410.901,92 Euro gesammelt zu haben.

Schurin erhofft sich einen ähnlichen Erfolg. 2500 Filialen der REWE-Handelsfirmen Billa, Bipa, Merkur und Penny nehmen an der Aktion teil. „Wir haben in der Woche neun Millionen Kunden. Wenn jeder nur einen Cent spendet, dann kommen große Beträge zustande“. Um genau zu sein: 90.000 Euro in der Woche.

Das Geld soll sozialen Projekten zugutekommen – und das per Tastendruck: Erhöht sich der Rechnungsbetrag bis zur nächsten Zehn-Cent-Grenze – etwa von 8,95 auf neun Euro – wird das von den Handelsfirmen über das Kassensystem erfasst. Die Spenden werden laut Schurin zu 100 Prozent an die Caritas weitergegeben. Die Caritas könne mit den Geldbeträgen eigene Projekte unterstützen. So einfach. Oder?

Elisa Hofer ist an diesem Tag Kassiererin in der Bipa-Filiale am Innsbrucker Bozner Platz. „Nicht jeder ist bereit, auch nur einen Cent zu spenden“, sagt die Hallerin. Wenn sie Kunden auf die Aktion aufmerksam mache, würden manche nur verständnislos den Kopf schütteln. Für Hofer ein Rätsel. „Das sind so kleine Beträge, mit denen man helfen könnte.“

Die einzelnen Handelsfirmen unterstützen übrigens jeweils ein Caritas-Projekt. Billa greift Familien in Not unter die Arme. Merkur fördert die Lerncafés – ein kostenloses Lernangebot – für Kinder. Bipa setzt die Spenden für Mutter-Kind-Einrichtungen ein und Penny finanziert einen Fonds für ältere Menschen in Not.

In den kommenden Tagen werden alle Filialen mit Plakaten ausgestattet, um die Kunden zu informieren. Bis dahin wird Elisa Hofer nicht aufgeben, die Menschen selbst von der Initiative zu überzeugen. „So kann ich meinen Beitrag leisten“, sagt sie, während sie einzelne Warenstücke über den Scanner an der Kasse zieht. Die Rechnung des Kunden in der grünen Trachtenjacke macht 3,69 Euro aus. „Drei siebzig“, sagt er und legt Hofer zwei Zwei-Euro-Münzen in die Hand. Ob er von der Aktion schon gehört hat? Auf jeden Fall befindet sich nun ein Cent mehr im Spendentopf.


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