Sportliche Mama mit Glückskind

Für Springreiterin Catrin Glötzer-Thaler ist die klassische Babypause ein Fremdwort.

Von Susann Frank

Wiesing –Die Geburt ihres Sohnes Florian war für Catrin Glötzer-Thaler ein besonderer Glücksmoment, einer, der sich auch positiv auf die Karriere der Springreiterin auszuwirken scheint. „Irgendwie ist er ein Glücksbringer“, sagt die 32-Jährige. So gut wie in dieser Saison sei es für die in Wiesing lebende Miemingeri­n noch nie gelaufen: gekrönt vom Tiroler Meistertitel vergangenes Wochenende beim Strasserwirt in St. Ulrich.

Gerade einmal sechs Monate, nachdem Florian das Licht der Welt erblickte. Auch wenn der Sohn oberste Priorität in ihrem Leben genießt, gönnt­e sich Glötzer-Thaler keine übliche Babypause. Am mit Ehemann Dieter gepachteten Bauernhof samt Stall und Koppeln in Wiesing bewegte sie ihre fünf Pferde bis einen Tag vor der Geburt. Zehn Tage danach saß sie wieder im Sattel und fünf Wochen später ritt Glötzer-Thaler ihr erstes Turnier. „Die Pferde werden nicht jünger“, scherzt Glötzer-Thaler erst. Der wahre Grund wäre: Sie wollte das Gefühl für den Sprung nicht verlieren. „Zudem habe ich befürchtet, bei einer längeren Pause Angst vor den hohen Sprüngen zu bekommen.“

1,50-Meter-Hindernisse überquert sie mit ihrem Paradepferd, der erst neunjährigen Stute Emelie, in der schweren Klasse (S) mittlerweile. Doch Glötzer-Thaler will höher hinaus, um in den kommenden Jahren auch bei den österreichischen Staatsmeisterschaften und auf internationalen Turnieren problemlos mitreiten zu können. Jedoch langsam. Sie will ihre Pferde heranführen, nicht überfordern. So stehen die Vierbeiner mit vier älteren Tieren, so genannten Pensionisten, auch Tag und Nacht auf der Koppel – ungewöhnlich für Sportpferde. „Mir tun Tiere mit 24-Stunden-Boxenhaltung leid. Auch wenn sich einige junge verletzen – bevor ich die Pferde wegen des Sports nicht mehr auf die Koppel stellen kann, höre ich mit dem Turnierreiten auf“, betont Glötzer-Thaler.

Dabei entdeckte sie ihre Passion erst vor zwölf Jahren („Zuvor war ich Wald- und Wiesen-Reiterin“) – angespornt durch ihren Ehemann. Der ehemalige Springreiter Dieter Glötzer fungiert als Trainer, unterstützt seine Frau in allen Bereichen. Seit sechs Monaten eben auch beim Babysitten. Denn während Mama Catrin im Parcours reitet, schiebt Papa Dieter den Sohn im Kinderwagen über das Turniergelände. Und obwohl der kleine Mann noch nicht wirklich Daumen drücken kann, scheint er der geborene Glücksbringer zu sein.

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