Schüsse auf Navy-Stützpunkt: Laut Bürgermeister 13 Tote

Der Schütze wurde offenbar getötet. Mehrere Menschern wurden verletzt. Ein Verdächtiger entlastet, teilt die Polizei via Twitter mit.

Washington – Bei einem Blutbad in einem Kommandozentrum der US-Marine in der Hauptstadt Washington sind 13 Menschen ums Leben gekommen. Vermutlich ein Dutzend Menschen seien verletzt worden, sagte Bürgermeister Vincent Gray am Montag und nannte den Vorfall eine „schreckliche Tragödie“. US-Präsident Barack Obama sprach den Angehörigen sein Beileid aus, ließ die Flaggen auf Halbmast setzen und forderte eine nahtlose Aufklärung. Es werde alles getan, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Unter den Toten ist auch der Schütze, den die Polizei als einen 34 Jahre alten Mann aus dem US-Staat Texas identifiziert hat. Die Bundespolizei FBI veröffentlichte Fotos des Mannes im Internet. Er starb nach einem Schusswechsel mit der Polizei. Über die Hintergründe der Tat herrsche weiter Unklarheit, sagte Gray. Bisher gebe es aber keine Hinweise auf einen terroristischen Akt.

Schütze war der Polizei bekannt

Bis zum Jänner 2011 war der 34-Jährige aktiver Reservist der US-Marine, wie ein Pentagon-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Nach Angaben von Marinestaatssekretär Ray Mabus arbeitete der Mann in der Vergangenheit als privater Auftragnehmer für die Marine, und zwar im IT-Bereich. Der Computerkonzern HP bestätigte später, dass der Mann für den HP-Subunternehmer „The Experts“ („Die Experten“) tätig gewesen sei. Er war mit Arbeiten am internen Computernetzwerk der Marine betraut und habe die dafür erforderliche „geheime“ Sicherheitsüberprüfung des US-Militärs durchlaufen, sagte „The Experts“-Chef Thomas Hoshko.

US-Medien hatten zunächst berichtet, dass sich der 34-Jährige mit dem Ausweis eines Ex-Mitarbeiters Zugang zu dem schwer bewachten Gebäude 197 verschafft haben, wo er das Blutbad am Montag anrichtete. Er habe ein Sturmgewehr, eine Shotgun und eine Handfeuerwaffe mit sich geführt.

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Schon vor der blutigen Tat war der Schütze polizeibekannt. Im September 2010 soll er durch die Decke seiner Wohnung geschossen haben und dabei fast seine Nachbarin getroffen haben, berichtete der Sender NBC. 2004 zerschoss er wutentbrannt die Reifen eines geparkten Autos, was der Schütze in eigenen Worten später als „Blackout“ beschrieb, wie die Polizei Seattle im US-Westküstenstaat Washington mitteilte. Nach Angaben seines Vaters hatte er Probleme damit, seine Wutausbrüche unter Kontrolle zu bringen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 soll er aktiv bei den Rettungsmaßnahmen mitgeholfen haben und an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten haben.

Fahndung nach möglichem Komplizen

Auch Stunden nach dem Blutbad fahndeten Polizei und FBI mit Hochdruck nach einem weiteren Mann in Militäruniform, der im Verdacht steht, ein Komplize des Todesschützen gewesen zu sein. Im Fall eines zweiten Verdächtigen gab die Polizei Entwarnung.

Die Schießerei ereignete sich am Vormittag (Ortszeit) in Gebäude 197 auf dem Marine-Areal. In dem Kommandokomplex arbeiten rund 3000 Menschen. Der so genannte Navy Yard ist eine mehr als zwei Jahrhunderte alte Küstenanlage der Marine am Anacostia River, die heute verschiedene Kommando- und Verwaltungsstellen beherbergt. Darunter sind auch das Büro des Admiralstabschef der Navy und ein Militärgericht. Insgesamt arbeiten dort mehr als 10.000 Menschen.

Hunderte Mitarbeiter versuchten, sich vor dem Schützen in Sicherheit zu bringen. Augenzeugen berichteten im US-Fernsehen, wie sie Schüssen des Mannes nur knapp entgingen. Ein Techniker des Geländes wurde vor den Augen eines Marine-Kommandanten mit einem Kopfschuss niedergestreckt.

Böller vor Weißes Haus geschleudert

Die Gegend, in der sich auch viele Wohnhäuser, Geschäfte und ein Baseball-Stadion befinden, wurde über Stunden weiträumig abgesperrt. Der Flughafen der Stadt setzte den Flugverkehr vorübergehend aus, nahm ihn aber später wieder auf. Helikopter kreisten über dem Gelände. Der Senat sagte seine Nachmittagssitzungen ab. Auch ein Profi-Baseballspiel im benachbarten Stadion wurde verschoben.

Inmitten des Chaos kam es auch zu einem Sicherheitsalarm im Weißen Haus, nachdem ein Mann Böller über den Zaun um das US-Machtzentrum geworfen hatte. Nachdem Augenzeugen von Schüssen berichtet hatten, riegelten Sicherheitsbeamte den Präsidentensitz ab. Der Störenfried wurde überwältigt.

In den USA weckte der Fall Erinnerungen an den Amoklauf auf dem US-Militärstützpunkt Fort Hood in Texas. Dort erschoss im November 2009 der muslimische US-Militärpsychiater Nidal Hasan 13 Menschen, Dutzende wurden verletzt. Der 43-Jährige wurde dafür im vergangenen Monat von einer Militärjury zum Tode verurteilt. (APA/dpa/Reuters/AFP)


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