Unterschiedliche Interessen prallen heftig aufeinander

Projektentwickler Infra sieht gute Bedingungen für das Sanna-Kraftwerk. Gegner rollten Plakat aus und wurden dann zu Präsention eingeladen.

Von Helmut Wenzel

Landeck –„Hände weg von der Sanna!“ Diese Botschaft gab eine 20-köpfige Gruppe der Kraftwerksgegner den Betreibern mit auf den Weg zur Projektpräsentation im Land­ecker Rathaus. BM Wolfgang Jörg reagierte schlagfertig und lud die Gegnergruppe in den Sitzungssaal ein – einige nahmen das Angebot an. „Wir haben nichts zu verbergen, Infos rund um das Kraftwerk sind öffentlich“, sagte Jörg.

Das heuer im Mai erstmals öffentlich vorgestellte Sanna-Kraftwerk sei ein Projekt für künftige Generationen, betonte der Grinner BM Thomas Lutz. „Wir sollten die Chance auf ein Kraftwerksprojekt nutzen, mit dem beide Seiten leben können. Wenn wir es nicht machen, dann machen es eben andere Betreiber.“

Ein langfristiges Projekt, das in zwei bis drei Jahren baureif sein könnte, sieht der Pianner BM Peter Rauchegger. Bei der offenen Frage, wie viel Wasser noch im Bach bleibt, möchte er mit den Wildwassersportlern, Fischern usw. im Gespräch bleiben. Ob am Ende des Tages gebaut wird, sei für ihn derzeit offen. BM Jörg brachte seine Exit-Strategie so auf den Punkt: „Wenn es unlösbare Punkte und Probleme gibt, dann wird’s schwierig.“

Auch Projektleiter Johann Bayer von der Firma Infra will die Pläne nicht auf Biegen und Brechen umsetzen: „Wenn es nicht machbar ist, dann sagen wir, es tut uns leid, es geht eben nicht.“

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Derzeit gehen die Betreiber davon aus, dass das Ausleitungskraftwerk, das Strom für 23.500 Haushalte produzieren soll, gebaut wird. Die Turbinen bewegen sich am Ende einer acht Kilometer langen Druckrohrleitung in Land­eck-Perjen. An der 90-Mio.-Euro-Investition würden sich sieben Gemeinden mit 25 Prozent beteiligen.

Dass die Sanna nur drei Kubikmeter Wasser pro Sekunde führen würde, sei nicht korrekt. „Diese Menge stimmt für den Winter“, so Bayer. „Im Frühjahr und Sommer würden wir bis zu 25 Kubikmeter entnehmen, wenn der Fluss 50 Kubikmeter führt.“ Laut Tiroler Kriterienkatalog sind, so der Projektleiter, die Bedingungen für den Kraftwerksbau gut, nur beim Naturschutz müsse man einen orangen Punkt in Kauf nehmen. Den Wildwassersportlern eine bestimmte Wassermenge garantieren könne er aber nicht, stellte der Infra-Projektleiter klar: „Wir wissen noch nicht, unter welchen Bedingungen die Sanna für Sportler nutzbar ist. Wir werden über eine Kompromisslösung reden.“

„Die Sanna ist die Streif des Wildwassersports“, argumentierte Landecks Rafting-Pionier Fuzzi Huber: „Der wirtschaftliche Faktor ist nicht nur für Outdoorfirmen groß. Es geht um bis zu 4000 direkte und indirekte Arbeitsplätze im Oberland.“

Die Projektbetreiber möchten umfassend informieren und haben am Dienstag die Homepage www.wasserkraft-sanna.at eingerichtet.


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